Endlich wieder Single

Drei Frauenschicksale. Allen dreien ist der Ehemann, Freund oder andere männliche Bezugsperson abhanden gekommen. Frau stellt sich auf die Beine, schließt Frauenfreundschaften, (mit Männern hat Frau natürlich nicht viel am Hut nach den vorausgegangenen Enttäuschungen). Frau findet zu sich selbst und merkt, daß das Leben mehr zu bieten hat, als traute Zweisamkeit. Und doch schieben sich wieder Männer durch den kleinen Türspalt, den die Freundinnen noch offengelassen haben. Ich - die Leserin - freue mich schon auf ein Happy End oder zumindest auf ein Happy Beginning, Versöhnung mit dem anderen Geschlecht, neue, bessere Partnerschaft, weil Frau doch aus den alten gelernt hat. Doch daraus wird leider nichts. Zuletzt finden die drei Frauen, nachdem jede mal "abtrünnig" geworden ist, wieder in einer viel erfüllenderen Frauenfreunschaft zueinander ... "Endlich wieder Single!"

Tief enttäuscht lege ich das Buch weg. Ich war auch gerade allein. So hätte ich doch wenigstens aus der Literatur Hoffnung schöpfen können. Ich wollte nicht allein bleiben. Auch ich habe viele Freundinnen, die mich durch den Schmerz nach der Trennung getragen haben. Mir neuen Mut gegeben haben, die mich aufgefangen und getröstet haben - und dann zu ihren Familien heimgegangen sind. Meine Familie bestand damals aus mir und meinem Kind, das selbst genug zu verarbeiten hatte. Wir saßen allein in unserem schönen, große Haus mit Garten.

Ich kann sie gut verstehen, die drei Freundinnen aus dem Buch. Ihre schlechten Erfahrungen, das daraus resultierende Mißtrauen, Angst vor Enttäuschungen und nicht zuletzt von beiden Seiten nicht miteinander abgestimmte Erwartungen an den Partner hatten die neuen Beziehungen zum Scheitern gebracht. Also ist "Endlich wieder Single" doch das einzig Wahre? Werden die Frauen einander in ihrer Freundschaft genügen? 20, 30 Jahre? Wird nicht wieder eine "abtrünnig"? Darüber stand nichts in diesem Buch. Ich kenne langjährige Freundschaften, die Partnerschaften nicht mehr einholen können, andererseits auch Partnerschaften, die nicht bis ins hohe Alter gehalten haben. Doch glaube ich kaum, daß jemand sich letzteres wirklich wünscht. Ist es nicht bloß Resignation, die das "Ende" bereits am Anfang unvermeidlich einschließt?

Ich konnte mir ein erfülltes Leben ohne Partner und ohne Vater für mein Kind nicht vorstellen. Ich fand mich zwar damit ab, eine Zeit lang meinen sozialen Beziehungsdrang durch den Kontakt zu guten Freunden zu genügen und für mein Kind "Ersatz-Väter" zu organisieren. Jedoch stieg eine tiefe Sehnsucht in mir auf, die ich mit aller Gewalt nicht unterdrücken oder wegleugnen konnte. Eine Sehnsucht nach jemandem, auf den ich mich verlassen konnte, der mir tief vertraut ist, meine Schwächen und Stärken kennt und akzeptiert, einen Weg mit mir gehen würde, einfach da ist.

Ich hatte die große Gnade, einen solchen Menschen wieder zu finden. Viele Frauen oder auch alleingelassene Männer haben dieses Glück nicht. Sie sind gezwungen, ihren Stand als Single zu idealisieren, um nicht an der Einsamkeit zu ersticken. Es ist gut, daß es Hilfe und Unterstützung gibt, um das Alleinsein und das Alleinerziehen besser zu meistern. Dann ist es vielleicht nicht so schlecht. Aber wer das für ein erstrebenswertes Lebensziel hält und meint, man könne sich selbst durchaus genügen, der hat wohl schon aus eigener Not oder aus reinem Selbstschutz heraus seine Gefühle und Sehnsüchte tief begraben.

Susanne Benes
 
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