In jeder Epoche fanden sich vielbeachtete Künstler, die versuchten, ein Gesamtkunstwerk zu schaffen.
Weitgehend unbeachtet sind hingegen die nicht minder ambitionierten Versuche, eine harmonische Familie zu schaffen.
Bei genauem Hinsehen darf dieses Unterfangen durchaus miteinem Gesamtkunstwerk verglichen werden
Erfolgreiches Familienleben bedeutet, ein Leben lang gemeinsam an einer "Kultur der Liebe" zu bauen.Das Lieblingsspiel unserer Kinder - beide noch im Vorschulalter - heißt "Papa - Mama - Kinder", manchmal sind auch noch Oma und Opa oder andere Personen dabei. Sie selbst, aber auch sämtliche Stofftiere und Puppen (zuweilen sogar Spielzeugautos!) schlüpfen abwechselnd in diese Rollen. Thema der Handlung - in vielen Variationen - ist unser Alltagsleben als Familie: Essen und Trinken, Aufstehen und Schlafengehen, Feiern und Schenken, Singen und Beten, Verreisen und Nachhausekommen, Besuchen und Besuchtwerden und was es noch an Fixpunkten in einer Familie gibt.
Moderne Spielzeuge, wie Raumschiffe und Feuerwehrautos mit elektronischen Blinklichtern und Geräuschen ändern gar nichts am Inhalt. Sie sind nur willkommene Requisiten, wenn sie gebraucht werden. Regelmäßig erhalten wir Eltern also auf dem Präsentierteller ein Spiegelbild dessen serviert, was unsere Familie als kleine Gemeinschaft darstellt.
Familie als Kulturgemeinschaft
Tatsächlich ist unsere Familie so etwas wie eine Kulturgemeinschaft im Kleinen - mit einer zugrundeliegenden Weltanschauung, mit eigenen Traditionen, Umgangsformen und Ritualen, mit einer eigenen Weise unsere Umwelt zu gestalten, uns auszudrücken, ja in gewissem Maß einer "eigenen Sprache". Wir brauchen das auch, denn es ist unmöglich, jede Situation ohne Voraussetzung zu interpretieren und nur von Fall zu Fall zu entscheiden, wie wir uns verhalten sollen. Selbst Kultur im üblichen Sinn - hat ja nicht nur mit "Kunst" im engeren Sinn zu tun sondern immer auch mit Beziehungskultur.
Diese Familienkultur zu entwickeln braucht viel Zeit und Arbeit, genauso wie die sogenannten Hochkulturen, aber auch die naturverbundenen Kulturen der Welt sehr viel Zeit und Arbeit gebraucht haben, bis sie ihre beeindruckenden Leistungen entfalten konnten. Diese Voraussetzungen fehlen allerdings in modernen Familien häufig. "Mikrowellen-Beziehungen" (im Gegensatz zum langsamen Garen am Herd), nennt der Kinderpsychologe Heinz Zangerle die neue Art miteinander umzugehen - nach dem Muster "kurz und intensiv". Arbeit, Medienkonsum, individuelle Freizeitaktivitäten lassen das Gespräch auf punktuelle Informationsabfrage schrumpfen.
Die Kunst des Liebens
Daß Liebe nicht nur Verliebtsein bedeutet, muß jeder früher oder später erkennen, der ein erfolgreiches Familienleben führen will. In diesem Sinn hat der große deutsch-amerikanische Sozialpsychologe und -philosoph Erich Fromm eines seiner Bücher "Die Kunst des Liebens" genannt und darin sehr intensiv über Bedingungen erfolgreicher Liebesbeziehungen nachgedacht.
Einige grundlegende Prinzipien, die in Büchern über gutes Familienleben in verschiedenem Gewand immer wieder auftauchen, sind sicherlich universell. Da "Die Kunst des Liebens" in der Praxis aber ebenso wie konkret erfolgreiche Familienkultur viele Aspekte hat, sind Gedanken darüber so vielfältig wie die Erfahrungen, die verschiedene Familien machen.
Beziehungskultur in der Familie hat viele Aspekte
Die folgenden Beispiele stammen von verschiedenen amerikanischen Autoren, die ihre Familien-Erfahrungen in dem Buch "Raising Children of Peace" ("Kinder des Friedens aufziehen") gesammelt haben. Die kurzen Auszüge sind hier ins Deutsche übersetzt.
Die Kunst, Träume wahr zu machen Die Kunst des Teilens Die Kunst, mit Kindern Freude zu erleben Die Kunst des Vertrauens Die Kunst der Großeltern Die Kunst, gemeinsam zu lachen Die Kunst, anzunehmen und sich angenommen zu fühlen Die Kunst, zwei Kulturen zu verbinden Die Kunst, Angenehmes und Notwendiges gemeinsam zu tun Die Kunst der Einfühlsamkeit Die Kunst, einander zu respektieren Dr. Friedrich Moshammer