Editorial
Die Gestaltung dieser Ausgabe zum Thema "Jugend 2000 - auf der Suche nach Liebe" war intensiv, herausfordernd und spannend. Wir haben in der Redaktion diskutiert, mit Eltern und Jugendlichen gesprochen, eifrig recherchiert. Entstanden ist ein Puzzle unterschiedlicher Blickpunkte, das Raum für eine weitere Beschäftigung mit dem Thema lässt.
Unter "Wenn die Liebe zu wenig wächst" meint Yves Nidegger: "Pubertärer Sex wird geschätzt, ohne Gesetze, ohne Verantwortung. Da die Träger dieses Trends Erwachsene sind, die versuchen in ihren eigenen Augen jung zu bleiben, finden sich die Jugendlichen des Vorbilds sexuellen Erwachsenseins beraubt."
Einige Jugendliche selbst befragt hat Sabine Krenauer. "Niemals ohne Kampfanzug" hat eine überraschend pragmatische Haltung zur Beziehung von Burschen und Mädchen ans Licht gebracht. Grund zur Hoffnung gibt die Sehnsucht der Teenager nach einer Beziehung. Das ersehnte Ideal sei nicht "Sex haben", sondern "Freundin kriegen und Freundin behalten".
Im Beitrag "Ich liebte ein Mädchen" von Florian Kliman zeigt sich, wie aus einem ehrlichen und offenen Gespräch zwischen Erwachsenen und Jugendlichen eine Brücke zwischen den Generationen entstehen kann. Die Jugendlichen stehen dann nicht im Regen, sondern können etwas ererben und das im positiven Sinn.
Was die kometenhaft erfolgreiche Popsängerin Britney Spears zum Thema "Wahre Liebe wartet" zu sagen hat, mag den einen oder anderen erstaunen. Wussten Sie, dass es in Amerika eine Jugendbewegung der "teenage celibates" gibt und auch in Europa Jugendliche dafür eintreten, vor der Ehe enthaltsam zu leben? Ganz im Gegensatz zu den sonst in Jugendmagazinen beschriebenen Trends?
Es freut mich besonders, Michael Möller als neuen Gastautor zu begrüßen. Er führt uns in die "Kunst des Flanierens" ein. Irgendwie haben mich seine Gedanken an die Erkenntnisse von Rene Egli über die Fähigkeit loszulassen erinnert.
Ein heißes Eisen hat Christian Röck angefasst. In "Wer bestimmt, was rechtens ist?" berichtet er über eine Veranstaltung der Föderation für Weltfrieden in Wien. Es ging dabei um die Frage, welche Auswirkungen der Regierungswechsel in Österreich auf die historischen Ressentiments zwischen linkem und rechtem Lager hat. Diskutiert wurde auch die europäische Dimension dieses schwelenden Konflikts.
Für Musikfans hat Andreas Bauer Jeff Buckley portraitiert und als Familiengericht gibt es diesmal gedünstetes Fischfilet.
Mit freudlichen Grüssen
Karl Ebinger
P.S. Ich wünsche schon jetzt einen erholsamen Urlaub. Das Redaktionsteam wird im Juli etwas ausspannen. Die nächste Augabe erscheint dann im August.