Ich liebte ein Mädchen

Mit diesem Satz beginnt Francois seinen ersten Brief an jenen Priester der ihn von Jugend auf kannte und den er nun als einzigem Menschen in seine wirklichen ehrlichsten und tiefsten Gedanken einweiht.

Eigentlich meint Francois, dass er eine sexuelle Beziehung zu einem Mädchen hatte, das er zu keinem Zeitpunkt ernsthaft liebte. Vielmehr wurde er durch einen "Freund" in eine Situation gebracht, wo er glaubte, nicht mehr anders zu können, da man ihn sonst nicht als normalen "Mann" sehen würde.

Der rege Briefwechsel führt dann auch zu einem tiefen persönlichen Gespräch mit dem Autor und einer großen inneren Erleichterung. Schon auf dem Rückweg von diesem Gespräch lernt Francois das Mädchen Cecile kennen, das er von da an nicht mehr vergessen kann. Nun beginnt ein dramatischer Kampf um eine Liebe, die beide wollen. Eine Beziehung so kostbar und rein wie der Morgentau. Doch nun, da Francois das gefunden hat, was er sich sosehr ersehnt, tauchen große äußere Hindernisse auf. Die Tradition, materielle Probleme und die eigene Ungeduld drohen den Traum, kaum dass er entstanden ist, auch schon wieder zu zerstören.

Gerade dass hier wertvolles Grundsätzliches mit der packenden Lebensgeschichte der beiden verschmelzen, hat mich auch jetzt, als ich nach 35 Jahren das Buch nochmals gelesen habe erneut verzaubert. Auf nicht einmal 100 Seiten entsteht eine Welt, die geographisch und in ihren Werten sehr verschieden von der unseren ist. Umso erstaunlicher, dass die Fragen, die junge Leute bewegen sich doch noch sosehr gleichen.

 

Florian Kliman

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