URLAUB ALS ERHOLUNG -
EIN THEMA VOLLER TÜCKEN
Nun ist sie wieder da, die vermeintlich heißbegehrteste Zeit des Jahres: Sommerferien.
Schon seit Monaten ist rund um mich hektische Betriebsamkeit ausgebrochen, wollen die in mehrerer Hinsicht teuersten Wochen des Jahres doch möglichst spektakulär verbracht werden. Einige Sommer lang habe auch ich zu jener Spezies gehört, die vorübergehend den Verstand verliert und war damit dem Burn-Out-Syndrom näher als allem anderen. Rein theoretisch hörte sich das riesige Haus direkt am griechischen Strand ganz wunderbar an, ich mußte es übrigens nicht einmal putzen und das gelegentliche Kochen hat mein Mann übernommen. Mehrere Tavernen wie Supermärkte waren in unmittelbarer Nähe und nicht einmal eine Lärmbelästigung, das Wasser von hervorragender Qualität.
Sogar unser eigenes Auto hatten wir mit, die Anreise mit dem Autoreisezug war durchaus als bequem zu bezeichnen. Familiäre Grundsatzdiskussionen haben wir nicht geführt und damit Streitigkeiten weitgehend vermieden. Mein Sohn war prinzipiell selig mit dem Angebot, solange er nur die Flossen an den Füßen anbehalten durfte.
Trotzdem würde ich so einen Urlaub nicht um viel Geld noch einmal machen (was mir auch keiner angeboten hat!). Die Reisevorbereitungen oblagen mir und damit wären wir beim ersten Problem. Naturgemäß wollten wir so lang wie möglich am Meer bleiben und damit fehlten jene freien Tage, um notwendiges Hab und Gut zusammenzusuchen und -packen. Statt dessen hatte das während der letzten Arbeitstage zu passieren, praktisch sprangen wir mit Kind und Koffer unter dem Arm aus dem Büro direkt in den Zug. Die brütende und leider auch nächtliche Hitze im Abteil halte ich heute noch für gigantisch. Die Zollabfertigung in Saloniki nahm geschlagene drei Stunden bei 35 Grad in Anspruch, der Zug mußte pauschal "abgefertigt" werden.
Problem Nummer 2 ist meine vermutlich gestörte Beziehung zur südlichen Lebensart bzw. zur Nähe des Meeres. Trotz aufrichtigen Bemühens ist es mir nicht einmal gelungen, mein Bett frei von Sand zu halten, für mich eine Beeinträchtigung ersten Grades. An die Tatsache, daß man spät abends putzmunter zu sein hat und an ausgelassenen Festen teilnimmt, dafür tagsüber schläft, habe ich mich knapp vor der Heimreise gewöhnt, mein Sohn gar nicht. Wenig tröstend fand ich die Tatsache, an einem eher wenig bekannten Teil Griechenlands zu urlauben, schallte es doch tagtäglich von allen Seiten in sehr vertrautem Wienerisch.
Am schlimmsten aber war diese unerträgliche Hitze, der man schier nie und nirgends entkommen konnte (die Einheimischen sprachen von einem milden Sommer).
Wieder heimgekommen, begann sofort wieder der Arbeitsalltag inklusive Wäschewaschen und Autoreperatur, natürlich nebenbei. Ich konnte zwar tolle Urlaubsabenteuer erzählen, habe mich aber dabei nicht wirklich wohl oder besser gesagt erholt gefühlt. In Ignoranz dieses Umstands haben wir noch drei ähnliche Urlaube verbracht, dann aber habe ich endgültig verweigert: südliche Strandurlaube sind für mich seitdem tabu.
Ich habe mich auf das besonnen, was schon vorher jahrelang vor meiner Nase lag: das Haus meiner Großeltern im tiefsten Burgenland. Leider leben sie nicht mehr, meine Mutter ist jetzt die Besitzerin.
Dort habe ich gefunden, was ich jahrelang in Auslandsreisen gesucht habe: Ruhe und Erholung. Da es "unser" Haus ist, ist im Prinzip alles vorhanden, was immer ich brauche. Weder Leintücher noch Gewürze müssen erst gepackt werden, selbst Kleidung ist genug vorhanden. Nicht erst einmal habe ich in Wien verschwunden geglaubte Sachen dort wiedergefunden, um mich eben im Urlaub an ihnen zu erfreuen. Mein Reisegepäck besteht eigentlich ausschließlich aus unabdingbar notwendigen Büchern und Musik-CDs, der Rest ist vorhanden.
Die große Besonderheit in diesem Dorf liegt an der Bauweise der Häuser. An der Hauptstraße wurden lauter Dreikanthöfe direkt aneinander gebaut, womit sich automatisch ein uneinsehbarer Innenhof ergibt. Der mutiert im Sommer zur erweiterten Wohnfläche, wobei die offenen Türen und Fenster zusammen mit rustikaler Sitzgruppe und riesigem Sonnenschirm ein sehr malerisches Bild ergeben.
Ich habe vor einigen Jahren begonnen, diesen Innenhof mit Rosen und immergrünen Sträuchern einzusäumen und rundherum Terracotta-Fliesen verlegt (eine schwere und abenteuerliche Arbeit, deren Aufwand sich tausendfach gelohnt hat!). Es überrascht mich immer wieder, daß die einzelnen Teile des Hauses an sich nichts Besonderes sind, alles zusammen jedoch ergibt ein harmonisches Ganzes, das seinesgleichen sucht.
Ich liebe es, in meinem Liegestuhl mit einem guten Buch zu liegen, über mir weißes Segeltuch mit azurblauem Himmel, rund um mich blühende Rosen in allen Farben und dazu den sanften Klang eines hölzernen Windspiels vor meinem Schlafzimmer. Oft habe ich dabei den Eindruck, direkt an einer Energiequelle zu liegen und meine Ressourcen wieder aufzufüllen und bin dabei kaum imstande, die einzelnen Gedanken meiner baumelnden Seele wiederzugeben.
Selbst nach nur einem Wochenende fühle ich mich erholt, geschweige denn nach zwei Wochen Urlaub, bei dem die höchste geistige Anstrengung "Was kochen wir heute?" heißt. Es ist der passende Gegenpol zum Leben in Wien, wo ich zeitgeistig mit Reiz- und Informationsüberflutung umgehen muß.
Die moderne Berufsausstattung mit Handy, Fax und Internet läßt ein gemütliches Tun einfach nicht zu, so sehr sie die Organisation straffen, so schnell müssen die Informationen verarbeitet werden.
Nichtsdestotrotz bereitet es mir mittlerweile Vergnügen, den Urlaubsberichten meiner Verwandten und Freunde zu lauschen. Im ersten Teil dieser Schilderungen höre ich über die tollen Erlebnisse, die exotischen Unternehmungen und die beeindruckende Kulisse. Im zweiten dann den Preis, die jeweiligen Wartezeiten und all den Streß, der angefallen ist. Und lehne mich beruhigt und voller Mitgefühl zurück, bestätigen sie doch immer wieder (und natürlich nur für mich!) die Entscheidung, die Sommerferien zu Hause zu verbringen.