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Vom Umweltschutz zum sozialen Bewußtsein |
Zerfällt die Familie oder zerfällt sie nicht? Zu dieser Frage hat die deutsche Familienforscherin Rosemarie Nave-Herz Untersuchungen angestellt. Sie verweist darauf, daß es im Laufe der letzten zweihundert Jahre immer wieder zur Diskussion um den Zerfall der Familie kam, jedoch unter verschiedenen Vorraussetzungen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Thema Familie "vor dem Hintergrund von Vertreibungen, Abwesenheit der kriegsgefangenen Väter, Arbeitslosigkeit und Armut" diskutiert, meint die Familienforscherin. Diese Rahmenbedingungen hätten "weniger den Untergang der Familien" signalisiert als "einen vielfältigen Wandel".
Damals hätte sich niemand vorstellen können, daß es in den 60er Jahren einen wahren Babyboom geben würde und die Kernfamilie in den Industrieländern etabliert sein würde. Heute gibt es wieder eine gegenläufige Tendenz. Die Anzahl der kinderlosen Paare in den entwickelten Ländern nimmt zu, es gibt weniger Geburten und die zu einem späteren Zeitpunkt.
Andererseits wird im Österreichischen Familienbericht 1999 darauf hingewiesen, daß "Familie, Partnerschaft und Elternschaft nach wie vor äußerst geschätzte Werte" seien. Neben all dem gesellschaftlichen Wandel der letzten zwei Jahrhunderte, scheint es so etwas wie eine soziale Konstante zu geben. Ein Bedürfnis nach sozialen Beziehungen, das sich in familiären Bindungen am besten umsetzen läßt.
Es ist heute viel von der Förderung der Familien die Rede. Meist geht es jedoch um finanzielle Rahmenbedingungen und weniger um den inneren Wert der Familie. Was es neu zu entdecken gilt, ist der Wert der Erziehung von Kindern und Jugendlichen für unsere zukünftige Gesellschaft. Dazu können intakte Familien einen wertvollen Beitrag leisten.
Noch werden die Leistungen der Familie in diesem Bereich als selbstverständlich gesehen. Das könnte sich jedoch bald ändern. Im Rahmen der Familienbewegung stehen wir in Bezug auf das Bewußtsein um den inneren Wert der Familie ungefähr dort, wo die Umweltbewegung vor zwanzig Jahren gestanden hat. Der Schritt, der vor uns liegt, betrifft unsere Fähigkeit neben dem Umweltbewußtsein auch ein stärkeres soziales Bewusstsein zu entwickeln und damit der Familie eine neue Chance zu geben.
Karl Ebinger