Mediales Pro und Kontra
Zu Familienperspektiven November 2000
Zu den Medien: generell, und als Medienvertreter, möchte
ich die Wichtigkeit der Medien unterstreichen. Ihr Einfluss ist
- zunächst einmal - wichtig. Gerade in Gesellschaften wie
denen des Mittleren Ostens, wo die parlamentarischen und juristischen
Systeme der Machtbalance nicht gut oder gar sehr schlecht funktionieren,
sind mutige Journalisten oft die einzigen, die einen kleinen Unterschied
machen. Auch in Europa haben die Medien eine sehr grosse Rolle
darin gespielt, Glaubensunterdrückung und politische Willkür
zu dämpfen. Diese vergangenen und auch heute aktuelle positive
Wirkungen der Medien sollten wir
nicht vergessen.
Es gibt meines Erachtens zwei wesentliche Probleme der Medien:
die Qualitätskontrolle und die Kommerzabhängigkeit.
Sehr viele Journalisten haben einfach nicht die notwendige Grundlage
für ihre Rolle. Die ethische Aufgabe des Journalismus wird
in der Erziehung zum Journalisten unterbewertet, und die "flotte
Schreibe" und "Sensationsmache" werden überbewertet.
Das bewirkt, zum Teil, die innere Schwäche des Journalismus,
der heute eben meist nicht mehr für eine Befreiung von Tyrannei
steht, wie in seinen europäischen Anfängen.
Und die journalistischen Institutionen - Zeitungen, TV-Stationen
etc - setzen die schlechten Sitten fort, indem sie entweder aufs
Geld schauen (und damit jedes
Ethos ignorieren) oder eine bestimmte Ideologie vertreten, aber
nicht ein Ethos der Wahrheitssuche und Aufrichtigkeit.
Mit einer positiven Auffassung möchte ich auch noch sagen,
dass der Journalismus sich verändert, verändern muss,
um mit der Informationsgesellschaft Schritt halten zu können.
Value-added Journalism in every sense of the word is the
journalism of the future. Und ausserdem - wir müssen es zugeben:
unsere Gesellschaften haben insgesamt die Medien, die sie verdienen.
Es sind Leute, die Trash kaufen, und wir können sie nicht
so ohne weiteres davon abkehren.
Thomas
Schellen
Libanon