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Familie ist nicht gleich Familie Gedanken über die emotionale Qualität menschlicher Beziehungen |
Sozialer Friede und soziale Kompetenz beginnen in der Familie
Wo Menschen zusammenleben, stoßen unterschiedlich Anschauungen,
Wertehaltungen, Vorstellungen, Interessen aufeinander, sind Konflikte
vorprogrammiert. Vorprogrammiert ist allerdings nicht, wie diese
Konflikte ausgetragen werden, ob sie nämlich konstruktiv,
oder mit Macht und Gewalt gelöst werden. Kriege beginnen
bekanntlich in den Köpfen und Herzen der Menschen, Frieden
hat dementsprechend auch dort seinen Ausgangspunkt.
Wir alle wünschen uns, dass unsere Kinder einmal glücklich
und erfolgreich sein werden. Wir wünschen uns, dass sie in
einer Gesellschaft aufwachsen, die frei ist von Kriminalität,
Drogen und Gewalt, dass sie die Schönheit der Natur durch
eine unversehrte Umwelt erleben können, vor allem aber, dass
so schreckliche Ereignisse wie Kriege nie erleben müssen.
Wie können wir dazu beitragen, dass dies nicht nur ein frommer
Wunsch bleibt?
Die heutige Gesellschaft bietet für unsere Kinder perfekte
Ausbildungsmöglichkeiten für ihre materielle Zukunft.
In den Schulen und Universitäten werden sie auf das Berufsleben
vorbereitet. Die Frage ist, unternehmen wir genug Anstrengungen,
um z.B. bei unseren Kindern die Qualitäten und Fähigkeiten
zu fördern und zu entwickeln, die sie für ein friedvolles
Zusammenleben brauchen, Kompetenzen, die sie befähigen, ihre
Beziehungen positiv zu gestalten.
Auf zwei Komponenten möchte ich hier kurz eingehen: auf die
Entfaltung der emotionalen Intelligenz und auf die Entwicklung
der Herzensqualitäten.
Die Entfaltung der emotionalen Intelligenz
Lange Zeit galt der Intelligenzquotient (IQ) als die wichtigste
Komponente bei der Bewertung, ob ein Mensch erfolgreich sein wird
oder nicht. Dementsprechend wurde auch in den Erziehungs- und
Bildungssystemen auf die Entfaltung und Förderung des Intellektes
großer Wert gelegt.
In Anlehnung an den IQ prägten Peter Salkovey und John Mayer
(2 amerikanische Psychologen) den Begriff "emotionale Intelligenz"
und "emotionalen Quotienten (EQ)". Gemeint ist damit
die Fähigkeit mit den eigenen und mit den Emotionen anderer
intelligent umgehen zu können. Wer in der Lage ist, seine
eigenen Emotionen selbst in ein inneres Gleichgewicht zu bringen,
gibt dem Verstand die Möglichkeit, zur Vernunft zurückzukehren.
Menschen, die ihre Gefühle vernünftig lenken und angemessen
ausdrücken können, tragen viel dazu bei, dass im Zusammenleben
schädigende Stimmungen und Handlungen vermieden werden, so
dass ein Klima des Vertrauens und der Fairness herrschen kann.
Glaub-und Vertrauenswürdigkeit, sowie Integrität sind
die natürliche Folge.
Ohne wegen der kurzen mir zur Verfügung stehenden Zeit auf
die verschiedenen Aspekte der emotionalen Intelligenz eingehen
zu können, möchte ich zusammenfassend nur sagen, dass
in der Kindheit ganz stark die emotionalen Muster geprägt
werden, die dann im Leben bei der Gestaltung der Beziehungen immer
wieder zur Anwendung kommen.
Gerald Hütler, Neurobiologe aus Göttingen meint: "Kinder
ohne emotionale Bindungen werden in einer selbst gebastelten,
egoistischen Welt groß. Hier liegen die Wurzeln für
Gewalt und Ausländerhass."
Eine emotionale Sättigung in der Kindheit, ein angemessener
Umgang mit den Emotionen ist sicher eine wichtige Komponente für
die Gestaltung von Beziehungen, die von Liebe, Respekt und Achtung
getragen sein sollen. Richtig gelingen kann dies erst auf der
Grundlage der Entfaltung der Herzensqualitäten.
Entfaltung der Herzensqualitäten
In der Vereinigungsphilosophie (Unification Thought, Dr. Sang
Hun Lee, Anmerkung der Redaktion) wird der Geist des Menschen
u.a. mit den folgenden vier Aspekten beschrieben. Herz, Gefühl,
Verstand und Wille. Auch hier wird klar zwischen Herz und Gefühl
differenziert. Ebenso hat Erich Fromm sehr klar herausgearbeitet,
dass Liebe mehr ist als ein Gefühl.
Als Herz (Shimjong, Anmerkung der Redaktion) wird in der Vereinigungsphilosophie
der eigentlich-ursprüngliche, authentische und essentielle
Aspekt in der menschlichen Persönlichkeit bezeichnet. Das
Herz wird als der Sitz der tiefen Sehnsüchte, vor allem des
ununterdrückbaren Verlangens Freude durch Liebe zu erleben
beschrieben. In ihm sind der Sinn des Lebens, der Berufung und
der Bestimmung, sowie die Grundwerte menschlicher Existenz und
der Liebe verankert. Es ist die Brücke zum Transzendenten,
es ist die Quelle intuitiver Weisheit und der Ausgangspunkt der
Liebe im Menschen.
Wilhelm J. Ouweneel meint: "Der Mensch ist eine Einheit,
die als Bild Gottes bezeichnet wird, mit dem Herzen als Zentrum
des menschlichen Seins. In diesem Herzen scheint die ganze Einheit
des Menschen als Bild Gottes zutreffend zu sein." Weiterhin
meint er: "Im Herzen findet der Mensch seine unverbrüchliche
Einheit, hier kommen alle Aspekte und Strukturen seines Seins
zusammen. Hier liegt das Ureigenste des Menschen."
So wie alle Dinge in der Natur ein innewohnendes Programm haben,
wonach sie leben, genauso tragen wir Menschen als Krone der Schöpfung
und als Ebenbild Gottes die göttliche Natur und Ordnung in
uns, die uns anleitet, im Sinne des Gemeinwohls zu leben. Rev.
Moon spricht von einer Kultur des Herzens, die es als Voraussetzung
für den Frieden zu errichten gilt. Je mehr jeder von uns
zu sich selbst findet, je mehr wir aus dem Innersten heraus, vom
Herzen her leben, um so mehr werden wir frei und angeleitet, sich
für den Anderen zu öffnen und auf ihn einzugehen. Vom
Herzen kommt die Kraft für das Mitgefühl, die Anteilnahme,
die Zuwendung, die Hilfsbereitschaft, in Bezug auf jemand Anderen
zu leben. Im Herzen lebendig zu sein, macht das Leben wertvoll.
Denn das, was den Menschen wirklich zum Menschen macht, scheint
mit dem Lieben-Können verbunden zu sein. Erst wenn der Mensch
seine Fähigkeit zu lieben voll entfaltet, wenn er in allen
Bereichen, in allen Aktivitäten ein liebevolles Verhalten
an den Tag legt, entfaltet er voll und ganz sein innerstes Potential.
Menschen, die aus ihrem Innersten heraus, vom Herzen her leben,
entdecken sich selbst neu, ohne im Ego zu versumpfen. Sie kümmern
sich um andere, ohne sie zu bevormunden. Sie gestalten eine friedliche
Welt, ohne sie zu beherrschen. Sie leben mit der Natur, ohne sie
auszubeuten.
Die optimalste Voraussetzung und Rahmenbedingung, um die Qualitäten
des Herzen zu entwickeln, ist die Erfahrung der Liebe in der Familie.
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Mit folgenden Gedanken möchte ich meine Ausführungen
abschließen. Familie ist nicht gleich Familie. Sicherlich
ist die Familie die unersetzbare Keimzelle für den Frieden
in der Gesellschaft und schließlich in der Welt. Jedoch
ist die Familie kein Automatismus. Die Tatsache, dass Menschen
Familien gründen, heißt noch nicht, dass allein dadurch
schon die Grundlagen für eine geistig stabile Gesellschaft
gelegt sind. Auf die Qualität der Familien, oder in anderen
Worten, auf die Lebendigkeit der Beziehungen in den Familien kommt
es an. Daher wäre es sehr wichtig, sich darüber Gedanken
zu machen, wie die Familie gestärkt und gefördert werden
kann, damit sie eine Qualitätsebene erreicht, auf der die
Menschen ihre emotionalen Bedürfnisse erfüllen können
und glücklich werden.
Siegfried Klammsteiner, Institut zur Förderung sozialer
Kompetenz
Der hier veröffentlichte Beitrag wurde anlässlich einer
Konferenz der
Interreligiösen und Internationalen Föderation für
Weltfrieden in Berlin,
Anfang Dezember 2000, erarbeitet.