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Perspektivenwechselvom Aufbruch zu neuen Standpunkten |
Mentale Arbeit nennt man sie gerne ein wenig verschämt und es gibt keinen namhaften Erfolgstrainer, der sie nicht an den Beginn all seiner Erfolgsrezepte stellt. Dabei kann es um Beziehungen, sportliche Leistungen, um Gewichtsverminderung, um beruflichen oder allgemeinen finanziellen Erfolg gehen. Jede Art von persönlicher Entwicklung beginnt demnach mit der "mentalen" Arbeit an sich selbst, seinen persönlichen Paradigmen, Glaubenssystemen, dem eigenen Blickwinkel. Vor allem eine gesunde Einstellung zu sich selbst ist etwas, was man sich allzuoft erst wieder erarbeiten muss.
Schon früh haben Misserfolge in uns allen Spuren zurückgelassen in der Form von Verunsicherung und Versagensangst . Ein verbreitetes Lebensgefühl der Ohnmacht und Enttäuschung, dass eben nicht mehr "drin" ist, wird von allen gutmeinenden in unserer Umgebung als "realistisch" betitelt. Wenn man ihnen glaubt, dann ist einfach nicht mehr "drin".
Der Start in ein erfolgreiches Leben - und sei es ein Neustart mit 50 Jahren - braucht einen anderen Blickwinkel. Wer sein Leben selbst in die Hand nehmen möchte, muss zuallererst seine Einstellung zum Leben selbst in die Hand nehmen. Eine (wie könnte es anders sein ...) amerikanische Studie zeigt zum Beispiel, dass von den Absolventern der amerikanischen Highschools nur ca 1 % aller Absolventen ihr Lebensziel schriftlich festgelegt hatten. Nach weiteren 15 Jahren hatte dieses 1 % ein höheres Einkommen als die anderen 99 % der ehemaligen Klassenkameraden insgesamt. Nun ist zwar hierzulande das erreichte Einkommen nicht einzige Art, Erfolg und Zufriedenheit zu definieren, bemerkenswert erscheint es aber allemal.
Sie suchen in Wien nach einer Amalienstrasse. Auf dem Plan können sie zwar bald die
Amalienstrasse finden, aber nicht den Standort, an dem sie sich überhaupt befinden. Wie sie den Stadtplan auch drehen und wenden, die Anreise dorthin ist einfach nicht herauszufinden. Als sie den Plan entnervt zur Seite legen, da lacht ihr Freund auf und hält ihnen den Plan nochmals unter die Nase: „Schau mal, was das für ein Plan ist !“ meint er jetzt unerträglich lustig, wo sie doch noch tief in ihrem Ärger versunken sind. „Berlin“, sagt er nur und das ist im Moment noch kein Mittel, ihre Laune zu verbessern, „der Plan ist ein Plan von Berlin“, erklärt er geduldig noch einmal und hilft ihnen damit aus ihrem S1elbstmitleid heraus. Mit einem Schlag ist alles klar und das Problem kann in diesem Fall sehr leicht gelöst werden.
Alle Ausdauer der Welt, jeder Kursus über die Kraft des positiven Denkens und wohl jede andere Methode hätte in diesem Fall nichts geholfen, wenn dem Verständnis der augenblicklichen Situation ein völlige falsches Verständnis (der falsche Plan) zugrunde liegt. Der „Wilde mit seiner Machin'“ wusste schon in dem klassischen Chanson des österreichischen Kabarett-Genies Helmut Qualtinger aus den 60er - Jahren des vergangenen Jahrhunderts nicht „wo er hinwill, aber dafür war er jedenfalls „schneller dort“. Das Beachten der richtigen Perspektive kann also mitunter sehr effektiv sein und viele „leere Kilometer“ ersparen. Haben wir nicht auch oft das falsche Bild von der Welt um uns herum bekämpfen Schatten an der Wand statt der tatsächlichen Ursachen ?
Wer hat nicht schon die “Rituale” eines Schispringers vor dem
Abstossen in die Anlaufspur schmunzelnd beobachtet. Da werden die Handschuhe gerichtet, an der Nase herumpoliert, einmal noch das Vorhandensein des rechten Knies kontrolliert. Das mag im ersten Augenblick lediglich nach Nervosität aussehen. Dahinter steckt aber eine gehörige Portion Perfektionismus und das ganze ist ein Programm, das schon vorher begonnen hat und erst lange nach der Landung endet. All die Stufen dazwischen werden im Kopf immer wieder und immer wieder durchgegangen. Es wird auch ohne Schanze geübt und geübt und geübt. Schon im Kopf wird die Schanze bezwungen, einem bösartiger Rückenwind entgegengewirkt oder ein unverhoffter Aufwind genutzt. Die Spitzensportler sind heute nicht nur körperlich austrainiert, auch in Ihrem Kopf ist ein klares Ziel und hundertprozentiger Erfolgswille eine Voraussetzung.
Wieviel habe ich mir überhaupt Gedanken gemacht über die Welt um mich herum ? Habe ich schon eine eigene Meinung gefasst, aus Vergleich mit anderen Meinungen meine eigenen Vorstellungen abgegrenzt ? Dann habe ich auch eine Perspektive auf mein Leben eingenommen. Was aber, wenn man nun rein gar keine Zeit dafür hatte und sich vor jeder dieser ärgerlichen Fragen in einen "Sager" flüchtet, wofür man immerhin einige Lacher ernten kann ? Was ist das für eine Perspektive ? Gar keine ? Oh nein, es ist die durchaus verbreitete Ansicht, dass es genügt, "durchzukommen". Durchkommen in der Schule, durchkommen mit all den schlampigen Beziehungen, eine kleine Notlüge dort, eine lustige Wortspende da, und schon ist wieder ein Tag "rübergebracht" . Irgendeine Perspektive hat man immer, allerdings ist es dann halt nicht meine eigene. Eingekreist von den nicht gehaltenen eigenen Zusagen bestimmen andere mein Leben. Es ist die Meinung anderer Leute, die Hitparade anderer Leute, Aussagen von Fernsehstars, Musikern, Models oder sonstigen Kultfiguren. Es bedeutet immer ein wenig Anstrengung, diese Instant-Meinungen zu hinterfragen, eigene Vorstellungen einzuholen.
Ein ruhiger Sonntag Vormittag. Auch in der U-Bahn herrscht im Vergleich zu den hektischen Wochentagen auffallende Ruhe. Dann stieg ein Mann mit seinen Kindern ein. Die Kinder waren laut und ungestüm. Den Mann schien dies wenig zu stören, denn er setzte sich hin und schloss seine Augen. Die Kinder wollten sich hingegen nicht beruhigen, sondern rannten im Abteil hin und her, sprangen von einem Sitz zum anderen und verhielten sich einfach unmöglich. Der Mann mir gegenüber jedoch tat rein gar nichts. Es war schwierig, nicht meiner Empörung nachzugeben und lauthals herauszuplatzen. Auch die anderen Fahrgäste wurden merklich unruhiger. Unter Aufbietung meine größtmöglichen Selbstbeherrschung sprach ich mein Gegenüber an: „Ihre Kinder stören wirklich viele Leute hier. Können Sie sich nicht darum kümmern ?“
Der Mann hob seine Augen, als ob er von einem Traum erwachen würde und sagte leise: Oh, sie haben recht. Ich sollte etwas dagegen tun. Wir kommen gerade aus dem Krankenhaus, wo ihre Mutter vor einer Stunde gestorben ist. Ich weiß nicht, was ich denken soll, und die Kinder haben wohl auch keine Ahnung, wie sie damit umgehen sollen.“
Allzuoft müssen dramatische Dinge passieren, damit wir unser Konzept in unserem Kopf verändern. Auch erfolgreichen Menschen fällt es oft schwer, einen einmal bezogenen Standpunkt über Bord zu werfen. Sie sind erfolgreich geworden, weil sie vieles anders und wohl auch besser gemacht haben als viele andere. Nachdem sie ihr Ziel endlich erreicht haben, wechseln viele die Seite. Sie möchten nun auch, dass alles so bleibt, wie es ist. Die Chancengleichheit für junge Herausforderer ist nun kein Thema mehr. Wenn sie nun in dieser Phase der Wachstumsverweigerung verharren und nicht mehr auf jene Stärken bauen, die sie groß gemacht haben, dann ist das Zerbröckeln des mühsam erreichten schon abzusehen. Es braucht freilich einigen Mut um so wie der alte deutsche Nachkriegskanzler Konrad Adenauer zu sagen: „Was kümmert mich mein dummes Geschwätz von gestern!“.
Wie ist es aber möglich, dass auch junge Menschen grosse Angst vor Änderungen haben und sich 14-jährige vor der Einführung des EURO ernsthaft fürchten ? Ist da eine Generation am Heranwachsen, die keinerlei Systemkritik an dieser Gesellschaft äußert
(Wenn man mal von der ohnmächtigen Wut gegen die Globalisierung absieht)
? Ist das Bejubeln der Taxi-Orange - Helden bereits das Maximum, was man sich unter "jugendlich" vorstellen darf ? Findet „jung sein“ nur noch in den trendigen Shops statt, im Internet-Chat - Separee auf Ö3. Ich mag es nicht glauben.
Im Perspektiven Jugendwettbewerb haben Jugendliche die Gelegenheit Ihre Gedanken und Ideen, Ihre Ansätze für eine interessante Zukunft zu formulieren. Schließlich sind sie es auch, die diese Gesellschaft aus so mancher Sackgasse herausführen müssen, in der sie heute steckt. Albert Einstein war überzeugt, dass „wir nur dann den Ausweg aus einem Problem finden können, wenn wir uns auf eine höhere Ebene des Denkens entwickeln, als wir damals hatten, da wir das Problem selbst hervorgerufen haben .“
Die Arbeit an einer eigenen Perspektive ist die beste Investition, die man in sich selbst machen kann. Der Weg in eine erfolgreiche Zukunft beginnt immer mit einem Ziel. Wer nicht andere über sich selbst bestimmen lassen möchte, der wappnet sich - mit einer eigenen Perspektive.