Peter K.*) sitzt begeistert vor seinem PC. Endlich ist er am Netz, endlich kann er mit seinen Freunden das urcoole Autorennen spielen, obwohl sie ebenfalls zuhause sind. Endlich kann er ausgiebig "chatten", eMails versenden und sich für seine Schularbeiten aus dem Netz interessante Informationen holen. Die Stunden verfliegen, das Zimmer wird nicht aufgeräumt und sonstige Pflichten werden noch mehr als früher vernachlässigt.

Entsprechend gering die Begeisterung bei seiner Mutter. "Jetzt sitzt das Kind schon wieder vor dem blöden Computer! So tu doch endlich was, bevor er noch total vertrottelt!"

Der verzweifelte Ausruf der Mutter ist symptomatisch für ein Problem, daß sich immer mehr in heimischen Familien breit macht: Wie umgehen mit dem Konsum der neuen Medien, die vor allem für die Kinder von einer Faszination zu sein scheint, die von Erwachsenen nur schwer nachvollzogen werden kann.

Wie gefährlich sind Computer, Internet und Co für unsere Kinder? Lauern da ernsthafte Gefahren? Sollen Eltern der Entwicklung einfach stillschweigend zusehen oder sollen Sie eingreifen, verbieten, beschränken? Alles Fragen, auf die es natürlich keine eindeutigen Antworten gibt bzw. geben kann, da einerseits die neuen Medien erst mühsam erforscht werden, und andererseits Patentrezepte im Bereich der Erziehung sich fast immer als unbrauchbar erweisen.

Pädagogisch sinnvoll

Das Positive gleich vorweg: von Vertrottelung vor dem Computer kann kaum die Rede sein. "Nach einer neuen Studie fördern Computerspiele die Denkfähigkeit, das Begreifen von Zusammenhängen und schnelles Reaktionsvermögen", sagte der deutsche Pädagoge Eberhard Menge anläßlich der Tagung "Abenteuer Computerspiel" Anfang Juni in Nürnberg.

Konsumbedarf steigt

Der Umgang der Eltern mit den neuen Computer-Medien ist aber offenbar auch ausschlaggebende für das Vertrauen, das diesbezüglich den Kinder entgegengebracht wird. Einen Studie der Universität von Pennsylvania zeigt, daß 98 Prozent der Eltern, die selbst online surfen, auch ihren Kindern freien Zugang zum weltweiten Datennetz erlauben. Von den Eltern, die ein reserviertes Verhältnis zum Internet haben, untersagte die Hälfte der befragten Erzieher ihren Kindern das Herumstrawanzen im Datendschungel. Die meisten internet-positiv Eingestellten sehen das weltweite Datenreservoir als nützlichen Lernbehelf. (75 Prozent), 68 Prozent glauben, daß das Kind ohne Internet-Zugang in der Schule entscheidende Nachteile hätte – bei den Skeptikern glauben das nur 40 Prozent.

Die virtuelle Eigenart des Internets, das zwar jede Menge an Information anbietet, wobei aber Nachvollziehbarkeit und Nachprüfbarkeit auf der Strecke bleiben, bereitet auch aufgeschlossenen Eltern Kopfzerbrechen. "Wenn meine Töchter im Internet "chatten", weiß ich wer sich da auf der anderen Seite meldet?", grübelt etwa Hans R. über das neuste Faible seiner Kinder nach. Das Mausi, das vorgibt 15 zu sein, angeblich in die 5. Klasse Gymnasium geht und dem man vertrauensvoll mehr oder weniger intime Details aus dem eigenen Leben mitteilt, kann genausogut ein ausgewachsener Mann sein, der darauf aus ist, junge Mädchen zu verführen.

Daher gilt – wie bei fast allem was die Kinder tun – der altbekannte Grundsatz: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Elternorganisation raten wiederholt, auf die Einhaltung folgender Leitlinien unbedingt zu achten:

Eine Generation von "Hegonisten"

Etwa 61 Prozent der Kinder und Jugendlichen in den USA zwischen acht und 17 Jahren gehen fallweise bis regelmäßig online. Und diese Zahlen werden aller Voraussicht nach noch steigen. Schon jetzt ist auch im computerreservierteren Europa der Konsum von neuen Medien bei der heranwachsenden Generation wesentlich höher als bei den Erwachsenen – und prägt das Verhalten der Generation von morgen entsprechend.

Und weil ohne treffende Bezeichnung gar nicht geht, hat man auch schon eine Bezeichnung für diese Jungen gefunden: "Generation @" nennen Soziologen und Marktforscher die hoffnungsvollen Sprößlinge ( – in Abwandlung des Labels "Generation X " der heute 25- bis 35jährigen in Verbindung mit dem im elektronischen Datenverkehr üblichen "at"-Zeichen @). Diese "Generation @" sitzt wesentlich häufiger vor dem Computer als der Durchschnitt der Gesamtbevölkerung (27 Prozent im Vergleich zu 13 Prozent), wobei sie mehr als doppelt soviel im Internet surfen (7 Prozent statt 3 Prozent). Ebenfalls hoch im Kurs sind Musik, Kino und Videofilme, bzw. -spiele.

Der Konzern British American Tobacco (BAT) hat dazu 3000 Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren genauer befragt, um das Konsumverhalten der Jugendlichen zu erforschen. "Sie praktizieren eine neue Art zu leben", erklärt Horst Opatschowski, der Leiter der BAT-Studie. Der ungeheure Datenfluß und die damit verbundene Reizüberflutung durch eMails, Chat, Mobiltelefon und anderes, mach die Burschen und Mädchen rastloser denn je. Beziehungen werden schnell auf- und genau so schnell wider abgebaut, ähnlich flüchtig wie die elektronisch-digitalen Daten. Frei, unabhängig sein und viel Zeit für sich haben, heißt das Grundgefühl des Lebens. Die jungen sind eine Mischung aus Hedonisten (also Menschen, bei denen der persönliche Genuß im Mittelpunkt des Lebens steht) und Egoisten – "Hegonisten" also, bei denen der Spaß das wichtigste ist. Soziales Engagement, wie es etwa die Generation der 68er-Revolutionäre an den Tag legte, verwandelt sich in spontane Hilfsbereitschaft wenn einem eben danach ist – nicht aus Pflichtbewußtsein heraus.

Ob diese Entwicklung nun als gut oder als schlecht zu bewerten ist, kann noch gar nicht abgeschätzt werden. Auf jeden Fall muß die Elterngeneration erst damit umgehen lernen.

Christian Röck