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Vom Dringenden und vom Wichtigen Steht die Leiter an der richtigen Hausmauer? |
Familie, Beruf, Freizeit, wie soll ich das alles unter einem
Hut bringen. Über mangelnde Zeit, zuviel Stress beklagt sich
fast jeder. Was hat man nicht alles versucht, um das Zeitmanagement
in den Griff zu bekommen. Von Seminaren bis zu Ratgebern, von
der Meditation bis zum Wellness-Center wird jede Methode probiert.
Und trotzdem scheint der Druck zu bleiben, das Leben weiter an
uns vorbeizulaufen.
Die entscheidende Frage für die meisten Menschen ist offensichtlich:
"Wie kann ich meine Zeit besser einteilen? Wie kann ich mein
Leben effizienter planen und organisieren ?"
Ich möchte diesen Ansatz hier einmal grundsätzlich in Frage stellen. Die Methodik der Zeiteinteilung ist nahezu unbedeutend. Wenn Sie eine methodische Lösung für bessere Zeiteinteilung in diesem Artikel suchen, sollten sie am besten nicht weiterlesen. Das "WIE" ist hier kein Thema. Dazu gibt es schon mehr als genug Literatur und schlaue Antworten.
Die WIE-Fragestellung sucht nach einer Patentlösung die irgendwie da draußen ist. Nur die gibt es nicht. Jeder Mensch ist einzigartig mit ganz persönlichen Bedürfnissen, Werten und Prioritäten. Für jeden Menschen sind andere Dinge wichtig.
Warum tue ich das?
Die entscheidenden Fragen sind "WAS" und "WARUM".
Was möchte ich mit meiner Zeit tun und warum möchte
ich das. Was sind meine tiefen Motivationen, Wünsche, Sehnsüchte.
Bill Gates hat auch nicht mehr Zeit als wir. Ich gehe jedoch davon
aus, dass er wusste was er will, sprich er hatte eine Vision und
wahrscheinlich wusste er auch, warum er das will. Dementsprechend
hat er dann seine Zeit genützt.
Hört sich einfach an, ist es auch und doch wieder nicht. Es hört sich nicht so schwierig an, täglich 15 Minuten seinem Partner zuzuhören und zu versuchen, ihn zu verstehen. Und doch schaffen es die wenigsten Menschen, sich regelmäßig dafür Zeit zu nehmen.
Kommen wir zur "WAS"-Frage zurück. Ich möchte sie zu einer kleinen Aufgabe einladen. Schreiben sie spontan auf, was Ihnen in Ihrem Leben wichtig ist. Sei es Persönliches wie Idealgewicht und innerer Friede, oder Berufliches wie Karriere und Jobwechsel, oder auch Familiäres wie Beziehungen zu Partner, Kindern, Geschwistern und Eltern.
Schreiben Sie auf, was Ihnen spontan einfällt.
Welche Rollen spiele ich?
Versuchen sie jetzt die einzelnen Aufgaben Bereichen zuzuordnen.
Dazu ist es notwendig, Rollen zu entwerfen. Stephen Covey verwendet
in seinen Buch "Die 7 Wege zur Effektivität" sogenannte
"Rollen" für die unterschiedlichen Lebensbereiche.
Jeder sollte diese Rollen für sich selbst bestimmen.
Ich möchte hier nur einige als Beispiel anführen
Rolle 1 persönlicher Bereich
Rolle 2 Vater
Rolle 3 Ehepartner
Rolle 4 Beruf
Rolle 5 Freund
Rolle 6 Vereinsmitglied
Rolle 7 karitative Tätigkeit
Die Dinge die Ihnen wichtig sind, können sie den Rollen zuordnen. Idealgewicht fällt zum Beispiel unter "Persönliches", Kinder unter "Vater", Karriere unter "Beruf", usw.
Jeder schafft sich seine eigenen Rollen. Für einen jungen Single, der Karriere machen möchte, ist unter Umständen Familie jetzt noch kein Hauptaugenmerk, während eine Mutter mit 3 Kindern im Teenageralter sicher ganz andere Prioritäten setzt.
Die Rollen verändern sich auch mit der Person und dessen
persönlicher Entwicklung. Für einen Studenten ist heute
vielleicht die Rolle des Studiums an erster Stelle. In einigen
Jahren, nach dem Doktorat, wird er sicher neue Prioritäten
setzten.
Die nächste Überlegung wäre, was sie in den einzelnen
Rollen erreichen möchten und welche Schritte dazu notwendig
sind.
Ich möchte zum Beispiel ein Vater werden, der das Vertrauen seiner Kinder genießt. Dazu ist es meines Erachtens notwendig, bewusst mit ihnen Zeit zu verbringen und zu lernen, ihnen zuzuhören, um ihre Gefühle, Bedürfnisse, Sorgen usw. zu verstehen. Folglich plane ich regelmäßig Zeit ein, die ich NUR mit meinen Kindern verbringe. Schaffe ich es, diese Zeit regelmäßig einzuhalten, wächst die Beziehung zu den Kindern ganz natürlich.
Ein anderes Mal fällt mir plötzlich ein, dass ich Judo erlernen will. Ich bemerke jedoch nach einigen Wochen, dass ich meist zu spät oder gar nicht zum Training komme. Da ich wöchentlich reflektiere, überprüfe ich meine Motive und Ziele verbunden mit meiner Rolle und stelle sehr bald fest, dass mir offensichtlich andere Dinge doch wichtiger sind und ziehe daraus die Konsequenzen.
Immer wieder Zwischenbilanz
Die Rollen und die damit verbundenen Ziele sind nicht starr. Durch
die regelmäßige Planung überdenke ich immer wieder
meine Rollen und die damit verbundenen Ziele und Motive. Die Reflektion
ist ein Teil der Planung und bewirkt ein ständiges Überdenken
des "WAS" und des "WARUM". Die Methodik der
Ausführung ist dann eine natürliche Konsequenz.
Wenn man das WAS und WARUM für sich geklärt hat, ist
es natürlich in weiterer Folge sicher hilfreich, sich über
Methoden - das "WIE" - Gedanken zu machen.
Die meisten Menschen scheitern mit ihrer Zeiteinteilung jedoch, weil sie sich zuerst auf Methoden stürzen und nicht wirklich wissen, was sie wollen, was ihnen wichtig ist.
Viele Eltern kommen oft sehr spät darauf, dass ihnen zum Beispiel die Beziehungen zu den Kindern eigentlich wichtiger sind, als die berufliche Karriere. Andere merken nach jahrelangem Hausbau und Schulden abzahlen, dass die Beziehung zum Partner einem wichtig ist und es hier möglicherweise mehr Zeit für gemeinsame Gespräche gebraucht hätte. Oft merken wir zu spät, was uns wirklich wichtig ist. Weil wir uns vielleicht auch die Frage nach dem "Was" und "Warum" zu spät stellen.
Hier wird der Fluch der Effizienz sichtbar. Wir bauen das Haus vielleicht schneller als andere und sind beruflich erfolgreicher. Aber was kommt danach. Ein schönes Haus, das leer steht. Erfolg im Job und niemand da, um die Freude zu teilen. Es ist vergleichbar mit dem Erklettern einer langen Leiter. Durch Training und die richtige Methode können wir effizient und schnell hinaufklettern. Das hilft jedoch nichts, wenn die Leiter an der falschen Wand steht und wir im muffigen Dachboden, anstatt auf der sonnigen Terrasse landen.
Das WAS und WARUM klärt die Frage, an welche Wand wir
unsere Leiter lehnen. Die Klärung dieser Frage mag seine
Zeit in Anspruch nehmen, während andere vielleicht schon
klettern. Letztlich landen wir aber auf der sonnigen Terrasse
und das zählt.
Stephen Covey stellte in seinem Buch folgende Frage: "Wie
viele Menschen würden sich an ihrem Sterbebett wünschen,
mehr Zeit in ihrem Büro verbracht zu haben?"
Es ist immer wieder zu beobachten, dass Menschen im Angesicht
des Todes oft den größten Wunsch verspüren, mit
ihren Beziehungen ins Reine zu kommen - inneren Frieden zu finden.
Stellen Sie sich vor, Sie sind 70, 80 oder 90 Jahre alt. Was würden Sie sich wünschen, welche Menschen möchten Sie um sich haben, wie sollte Ihr Leben ausgesehen haben. Wenn Sie die Antwort finden, wissen sie bereits heute, was zu tun ist.
Lust auf mehr ? Dann erlaube ich mir, Ihnen die nachfolgenden Bücher zum Thema "Zeitmanagement" zu empfehlen
Andreas Bauer
Familienperspektiven - Bücherservice |
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