
Endlich war es soweit. Major Friedrich Kampl plante, dass Gerald, sein Sohn, zum ersten Mal in einer Saab 105 mit einem Fluglehrer mitfliegen würde. Er, glaubte seinem Sohn etwas Gutes zu tun, und er hatte insgeheim den Wunsch, dass Gerald in seine Fußstapfen treten sollte, weil er selbst aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr fliegen konnte. Dazu kam noch, dass dieser Flug ein Geburtstagsgeschenk für Gerald sein sollte.
Dieser aber wich schon seit jeher auf Rummelplätzen allen Geräten aus, die etwas mit Höhe zu tun hatten. Er stand vor der Entscheidung, entweder Pilot oder Informatiker zu werden. Gerald wollte seinen Vater nicht enttäuschen, also setzte er sich in das Flugzeug und dachte, dass das Fliegen anders sein könnte. Seine Mutter war natürlich anderer Meinung und zweifelte an seiner Flugtauglichkeit.
Als das Flugzeug startete, klammerte sich Gerald an seinem Sitz fest und als der Flieger schneller und schneller wurde und schließlich abhob, wurde Gerald langsam flau im Magen. Ihm wurde immer schlechter, als er sah, dass der Erdboden immer weiter wegrückte und dass sein Vater neben der Startbahn immer kleiner und kleiner wurde. Schweißtropfen bildeten sich auf Geralds Gesicht. Ihm wurde heißer und heißer und sein Gewand klebte ihm schon auf der Haut. Gerald dachte in panischer Angst: „Hoffentlich ist das bald vorbei, ich will hier raus, ich kann nicht mehr.“ Inzwischen dachte der Vater stolz: „Mein Sohn wird sicher einmal ein guter Pilot.“ Die Mutter hatte andere Gedanken: „Hoffentlich passiert da nichts.“
Gerald wünschte so schnell wie möglich auf festen Boden zurückkehren. Er wollte es schon dem Fluglehrer sagen, aber dann dachte er an seinen Vater: „Ich kann ihn nicht enttäuschen, ich muss durchhalten.“ Doch plötzlich machte der Fluglehrer ohne Vorwarnung einen Looping. Gerald fühlte sich so, als ob eine Faust in seinen Magen geschlagen hätte und übergab sich. Der Fluglehrer meinte nur: „Ach , du lieber Gott! Junge, warum sagst du denn nicht, dass dir so schlecht ist?“ und setzte so bald wie möglich zur Landung an.
Mit schlotternden Knien und totenbleich, aber trotzdem glücklich, wieder auf der Erde zu sein, kletterte Gerald aus dem Flugzeug. „Schöne Bescherung!“, murmelte der Pilot nur in die Richtung von Herrn Major Kampl. Dieser blickte starr auf seinen Sohn und dessen beschmutze Kleidung, sagte aber kein Wort.
Zuhause gab es einen bösen Streit zwischen dem Ehepaar Kampl, der Sohn verzog sich aber beschämt in sein Zimmer. Er bereitete sich innerlich schon auf einen Konflikt mit seinem Vater vor. Wie sollte er ihm gegenübertreten? Er fühlte sich als Feigling und jämmerlicher Versager.
Plötzlich klopfte es an seiner Zimmertür. Der Vater sah ihn an. Gerald konnte ihm fast nicht in die Augen sehen.
„Wenn du willst, kannst du nach der Matura Informatik oder so etwas ähnliches studieren. Wie ich höre, sollst du ja sehr begabt sein...“
Daniel Kraus, 3B BG/BRG Knittelfeld