Richtig Erwachsen werden statt Flucht in die
Spaßgesellschaft
"Seid ihr alle da?" überschreibt Marc Paul Maron seinen Beitrag in
der Zeitschrift "Psychologie Heute". "Seid ihr alle da?" fragt seit vielen
Generationen der Kasperl seine kleinen Zuschauer, und alle antworten, so
laut sie können, "Jaaaa!" Kurz gesagt, ist der Autor des Artikels
der Meinung, daß die modernen Massenmedien, und ganz besonders das
Fernsehen, immer mehr zu einer Art "Kasperltheater" für Erwachsene
verkommt. Er meint, daß die Massenmedien auf der Jagd nach höheren
Einschalt- und Verkaufszahlen ihr Publikum geistig unterfordern. Indem
sie von einem infantilen Konsumenten ausgehen, tragen sie seiner Meinung
nach wesentlich dazu bei, daß immer mehr Menschen glauben, in einer
Art "Spaß-Gesellschaft" zu leben, in der es hauptsächlich um
die Erfüllung der eigenen Wünsche geht. In einer Zeit, in der
sich alles ständig zu ändern und auf nichts Verlaß zu sein
scheint, ist für viele das Ziel, ganz erwachsen zu werden, nicht mehr
attraktiv. Der Rückzug in die Infantilität bietet sich als Fluchtmöglichkeit
an.
Daß an dieser Diagnose einiges dran ist, bestätigen eigene
Beobachtungen: Jugendliche in der Pubertät versuchen Unsicherheit
oft dadurch zu kompensieren, daß sie in ihren Gruppen alles um sie
herum lustig finden. Nur 45 jährige "Fossile" finden es etwa merkwürdig,
daß eine Gruppe Jugendlicher im Kino bei brutalen Gewaltszenen, die
eigentlich ganz und gar nicht komisch sind, in Lachstürme ausbricht.
"Nur nichts zu ernst nehmen!" scheint die Devise zu sein. Die kleinen Kinder
lachen ja auch, wenn der Kasperl das Krokodil windelweich prügelt.
Das ist weiter nicht besorgniserregend, sondern aus den Entwicklungsstufen
von Kindern und Jugendlichen zu erklären. Warum aber werden "Erwachsene"
nicht wirklich erwachsen?
Daß vor allem die Unterhaltungsindustrie, aber auch die mediale
Information immer mehr das Leitbild des pubertären "Halberwachsenen"
kultivieren und damit die Wirklichkeit einerseits widerspiegeln und andererseits
beeinflussen, ist kaum zu übersehen: Showmaster müssen heute
dem Bild des ewigen Jugendlichen entsprechen. Schon der Vergleich zwischen
zwei Generationen von Talkmastern, Hans Joachim Kulenkampff und seinem
"Nachfolger" Thomas Gottschalk ("EWG" und "Wetten daß" jeweils zu
ihrer Zeit Dauerbrenner unter den deutschen Fernseh-Familienshows), macht
das deutlich: Hier der populäre väterliche Typ, dort der ebenso
beliebte Kumpel, der nebenbei auch noch Reklame für Gummibären
macht. Und wen erinnern Show-Auftritte des Hitparaden-Stars DJ-Ötzi
nicht an lustige Faschingsparties mit einem "Kindergarten-Onkel für
Erwachsene". Die Welt der Fernsehserien und der Pop-Musik ist voller Figuren,
die niemals wirklich erwachsen werden. Michael Jackson mit seiner künstlich
"mumifizierten" Kindlichkeit ist nur eines der bekanntesten Beispiele.
Und wie steht es mit den Menschen wie du und ich? Unser Wirtschafts-
und Gesellschaftssystem fordert den "flexiblen Menschen" und wir versuchen
diesen Anforderungen auch nach Kräften zu entsprechen, aber wie verträgt
sich das mit dem Ziel, erwachsen zu werden? Wer erwachsen ist, sollte doch
auch eine in vieler Hinsicht gefestigte Persönlichkeit haben? Wo jedoch
die totale Anpassungsbereitschaft verlangt wird, kann man eigentlich nie
wirklich erwachsen werden, ohne regelmäßig anzuecken und als
Störenfried angesehen zu werden. Kaum ein Erwachsener wünscht
sich nicht gelegentlich, wieder ein Kind zu sein. Ein anonym im Internet
verbreiteter Text drückt das poetisch aus: “Hiermit
erkläre ich öffentlich meinen Rücktritt vom Erwachsensein.
Ich habe beschlossen, die Bedürfnisse einer Sechsjährigen zu
leben.... Was ist mit der Zeit geschehen, zu der wir glaubten, das Schlimmste,
was uns passieren könnte, wäre, dass uns jemand unser Springseil
wegnimmt und uns als Letzten in die Handballmannschaft wählt? Ich
möchte wieder einfach leben. Ich möchte nicht, dass meine Tage
aus Computerabstürzen, Bergen von Akten und deprimierenden Nachrichten
bestehen. Ich möchte an die Kraft eines Lächelns, einer Umarmung,
eines netten Wortes glauben, an Wahrheit, Frieden, Träume, und an
die Kraft, die davon ausgeht, im Liegen Rauschgoldengel in den frischen
Schnee zu formen. Ich möchte wieder sechs sein.”
Wir können aber auch über die Karikatur eines
in der Mentalität eines Sechsjährigen steckengebliebenen Erwachsenen
herzlich lachen: Die Pantomimenfigur des britischen Komikers Rowan Atkinson,
"Mr. Bean", hat Millionen Europäern Bauchschmerzen durch Lachkrämpfe
verursacht. Er nimmt seinen Teddybär überall hin mit, stolpert
von einem Mißgeschick ins andere und treibt seine spießbürgerlichen
Umwelt - teils mit naiv-ungeniertem Egoismus, teils mit unbekümmerter
Verspieltheit - ins Chaos. Wir lachen über jemanden, der einfach
das tut, was viele insgeheim gerne tun würden.
Die Schwierige Kunst, ein Erwachsener zu sein
Früher war das Leben zwar oft schwieriger, aber gleichzeitig auch
einfacher. Nach dem Ende der Schulzeit fing "der Ernst des Lebens" an,
man arbeitete, gründete eine Familie und war dann eben ein Erwachsener.
Heute ist es schon schwierig, überhaupt klar auszudrücken, was
Erwachsensein überhaupt bedeutet. Entwicklungspsychologen und kulturkritische
Autoren versuchen, den Begriff neu zu definieren. Einige Monate vor Marons
Essay erschien - ebenfalls im Magazin "Psychologie Heute", das sich immer
wieder mit dem Thema beschäftigt, - ein grundlegender Beitrag. Unter
dem Titel "die Schwierige Kunst, ein Erwachsener zu sein" setzt sich Ursula
Nuber mit dem Problem der "Verkindlichung" und Ansätzen zu einem "Neuen
Erwachsenen" auseinander. Das einleitende Zitat "Rücktritt vom Erwachsensein"
ist für sie symptomatisch für die kindliche Sehnsucht nach dem
Einfachen, die auch noch in jedem erwachsenen Menschen steckt.
Doch die Autorin meint, daß wir viel weniger Probleme mit dem
Leben als Erwachsene hätten, wenn wir "wirklich erwachsen" wären:
"Wir haben Schwierigkeiten mit dem Erwachsensein, weil wir noch nicht
erwachsen sind. Wir fühlen uns zu Recht überfordert, denn es
fehlen uns die Fähigkeiten, mit den täglichen Anforderungen eines
Erwachsenenlebens gelassen und souverän fertig werden zu können.....
Wären wir wirklich erwachsen, dann würde uns das Leben leichter
fallen. Probleme wären dann Herausforderungen, Überlastungen
würden wir rechtzeitig gegensteuern, und so schnell könnte uns
nichts aus der Bahn werfen.
Ist es erwachsen, dass ich mit meiner Meinung hinterm Berg halte,
nur weil ich fürchte, der andere mag mich dann nicht mehr? Ist es
erwachsen, dass ich Angst vor einer festen Bindung habe, weil ich von Anfang
an schon ans Scheitern denke? Ist es erwachsen, dass ich mich mit Arbeit
zuschütte? Ist es erwachsen, dass ich jedes Mal, wenn ich meine Eltern
besuche, in eine depressive Stimmung falle? Ist es erwachsen, dass ich
immer noch nicht genau weiß, was ich will und wer ich bin?
Was ist das, ein Erwachsener? Ein Mensch, der die Volljährigkeit
erreicht hat, der einen Beruf ausübt, eine Eigentumswohnung besitzt,
sexuelle Beziehungen unterhält? Der heiratet und eine Familie gründet?
Auf dessen Bankkonto regelmäßige Zahlungen eingehen? Diese äußeren
Insignien der Erwachsenenwelt reichen nicht mehr aus, um diese Lebensphase
ausreichend zu beschreiben."
Die Kindliche Gesellschaft
Daß dieses Thema in einer breiten Öffentlichkeit diskutiert
wird, ist vor allem dem amerikanischen Lyriker und Kulturkritiker Robert
Bly zu danken, der es 1996 (in deutscher Übersetzung 1997) mit seinem
Buch "Die Kindliche Gesellschaft" in die Bestsellerlisten schaffte. Er
hat mit seiner im besten Sinn des Wortes "konservativen" Analyse die Finger
auf wesentliche Wunden der westlichen Gesellschaften gelegt und damit viele
zustimmende, aber auch kritische Kommentare auf den Plan gerufen. Daß
wir jedenfalls eine Krise des Erwachsenseins erleben, konnten auch seine
Kritiker nicht verleugnen.
Eltern und Lehrer können sich oft an ihren Status als Erwachsene
nur schwer gewöhnen, was sich etwa darin zeigt, daß sie sich
von den Kindern lieber mit dem Vornamen ansprechen lassen - etwas, das
vor 50 Jahren in Europa oder heute noch in einem asiatischen Land völlig
undenkbar (gewesen) wäre. Der Titel von Blys Buch lautet im englischen
Original "The Sibling Society", wörtlich übersetzt "Die Geschwistergesellschaft".
Der Autor beklagt, daß die Unterschiede zwischen Erwachsenen und
Kindern und Jugendlichen verschwimmen, was den jungen Menschen wichtige
Entwicklungsmöglichkeiten nimmt. Gleichzeitig versucht er, in dichterischer
Sprache die Schönheit wahren Erwachsenseins zu vermitteln:
"Von den Erwachsenen darf verlangt werden, daß sie aufhören,
nur in ihre private Zukunft zu blicken, auf ihre Ferien in Costa Rica,
auf ihre Pension, ihre Vermögensanlage und sich statt dessen den Jugendlichen
zuwenden. Wir können uns ein Spielfeld vorstellen mit den Jugendlichen
auf der einen Seite der Linie und den Erwachsenen auf der anderen, und
beide Seiten schauen sich in die Augen. Das setzt freilich voraus, daß
sich die Erwachsenen darüber im klaren sind, was wirkliches Erwachsensein
ausmacht. Wenn sich die Erwachsenen nicht den Jugendlichen zuwenden, bis
an die Linie kommen und sie zu sich herüberziehen, dann werden die
Jugendlichen ihren Platz nicht verlassen und weitere zwanzig oder dreißig
Jahre dort bleiben. Wenn wir den Jugendlichen nicht entgegenkommen, werden
ihre Distanzierungsmaschinen, die lauter und ausdauernder als unsere sind,
ständig sagen »lch gehöre nicht zu dieser Familie«
und jede echte Verbindung mit ihren Eltern abbrechen. Das sollten die Eltern
wissen.
....Die Hoffnung liegt in unserem Wunsch, Erwachsene zu sein. Wenn
wir Interesse an jungen Menschen zeigen, ihnen helfen, einen Mentor zu
finden, sie zu Vorträgen und anderen Veranstaltungen für Erwachsene
mitnehmen, uns auch um Jugendliche sorgen, die nicht zu unserer Familie
gehören, dann wird unser Selbstverständnis als Erwachsene gestärkt
und das Erwachsensein wird für viele Jugendliche wieder ein erstrebenswertes
Ziel sein.... Ich würde also sagen, daß ein Erwachsener ein
Mensch ist, der nicht mehr unter der Herrschaft der präödipalen
Wünsche steht, die unausgesetzt nach Lust, Wohlgefühl und Unterhaltung
verlangen.... Wirklich erwachsen ist derjenige, der es verstanden hat,
sein inneres Feuer, das auch das besondere Feuer seiner Generation einschließt,
zu bewahren, so daß er nun gegenüber der jungen Generation etwas
anzubieten hat. Wir können sagen, daß der zu den Ältesten
gehört, der sein Feuer nicht nur bewahrt, sondern es auch vermehrt
hat."
Robert Bly sieht eine Hauptursache dieser Probleme in der Abwesenheit
(beziehungsweise der Unsicherheit) der Väter in der Erziehung ihrer
Kinder. Wenn etwas im Leben schief läuft, versuchen viele Menschen,
möglichst wenig and die eigene Verantwortung zu denken, sondern die
Schuld daran in den Vätern im besonderen, den Eltern überhaupt
und schließlich der ganzen Gesellschaft zu finden. Verantwortungsbereitschaft
ist aber eine der wichtigsten Eigenschaften von Erwachsenen - Jammern und
Resignation sind die Kehrseiten der Spaßgesellschaft. Auch in der
Politik sind Bedauern, Beklagen und Hinweisen auf Sündenböcke
weit häufiger als verantwortliches Handeln, das immer unter dem Risiko
steht, einmal etwas falsch zu machen.
Ursula Nuber sieht in ihrem Beitrag (Psychologie Heute, April 2001)
heute neue Anforderungen an Erwachsene, denen jedoch noch kein klares,
neues Bild vom Erwachsensein gegenübersteht: "Die Fragen “Wer bin
ich?”, “Wohin gehe ich?”, “Wo ist mein Platz?”, “Was ist der Sinn des Lebens?”
tauchen immer wieder auf, und wir müssen sie in jeder Lebensphase
neu beantworten. Die Lösungen, die wir mit 20 oder 30 fanden, gelten
nicht mehr, wenn wir 40 oder 50 sind. Und so testen wir immer wieder aus,
was es heißt, ein erwachsener Mann oder eine erwachsene Frau zu sein.
Wir versuchen, Beziehungen zu knüpfen, obwohl wir gar nicht wissen,
was eine Beziehung heute ist. Wir gehen einer Arbeit nach und können
den eigenen Eltern oft nicht erklären, was wir da eigentlich tun.
Wir bemühen uns, Eltern zu sein, ohne uns dabei an den eigenen Eltern
orientieren zu können. Wir sind sozusagen Erwachsene im Versuchsstadium.
Die Gesellschaft ist zu einem riesigen Labor geworden, in dem wir immer
wieder neue Versuchsreihen starten, um herauszufinden, was funktioniert
und was nicht."
Eine neue Erwachsenenbildung tut not
Brauchbare Lösungsansätze findet Nuber vor allem in einem
Buch des amerikanischen Autors Frederic M. Hudson "The Adult Years. Mastering
the Art of Self Renewal", das bisher allerdings nur in englischer Sprache
erhältlich ist:
"Für die heutigen Erwachsenen gilt, dass sie existenzielle Analphabeten
sind. Sie können zwar lesen, aber sie wissen nicht, wie sie die verschiedenen
Lebenszyklen meistern können", wie Frederic M. Hudson beklagt. Noch
gibt es kaum Institutionen, die den Lernstoff anbieten würden, den
man heute beherrschen muss, um erwachsen werden zu können.... "Erwachsenenbildung",
die sich weitgehend auf die Vermittlung von Wissen beschränkt, müsste
sich auf den eigentlichen Sinn des Begriffes besinnen: den Erwachsenen
in einem Menschen herausbilden.
Frederic M. Hudson hat eine umfangreiche Liste von Eigenschaften
vorgelegt. Danach ist eine Person erwachsen, wenn sie
über ein hohes Maß an Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein
verfügt
anderen interessiert und objektiv zuhören kann
ihren Gefühlen angemessen Ausdruck verleiht
fähig ist, Dankbarkeit und Anerkennung auszudrücken
zwischen Wichtigem und Unwichtigem unterscheiden kann
weiß, dass sie Autorität besitzt; sie stellt ihr Licht nicht
unter den Scheffel
Kritik ertragen und Kritik üben kann
immer wieder über den Sinn ihres Lebens nachdenkt
sich bemüht, angemessene Lösungen für Probleme zu finden
und diese Aufgabe nicht an andere delegiert
kooperativ und teamfähig ist
auf Halt gebende Rituale in ihrem Leben achtet
zukunftsorientiert ist
die "Feste feiert, wie sie fallen" und dafür sorgt, dass die Freude
in ihrem Leben nicht zu kurz kommt
sich auf intime Bindungen einlässt, womit Liebesbeziehungen ebenso
gemeint sind wie Freundschaften
in der Lage ist, "nein" zu sagen
kompromissbereit ist, aber nicht konformistisch
auf Veränderungen vorbereitet ist
den Status quo immer wieder in Frage stellt
keine Angst hat, Fehler zu machen und Fehler auch bei anderen toleriert
immer auf der Suche nach neuen Ressourcen und Informationen ist, die
sie bei der Bewältigung der Lebenszyklen unterstützen können."
Ursula Nuber faßt praktische Schlußfolgerungen ihrer Analyse
in einem kurzen entwicklungspsychologisch begründeten Leitfaden zusammen.
Demnach können wir dem Ziel "Erwachsensein" näher kommen, wenn
wir an folgenden sieben Aufgaben beharrlich arbeiten:
Geduld üben
Autonomie erlangen
das Älterwerden akzeptieren
Verantwortung für das eigene Leben übernehmen
für die nachfolgenden Generationen sorgen
die vorgegebene Rolle als Mann oder Frau infrage stellen
aus der Unsicherheit eine Tugend machen
"Autonomie" erklärt sie etwa folgendermaßen: "Erwachsene
müssen sich nicht ständig mit anderen vergleichen. Sie müssen
sich ihren Wert auch nicht dadurch beweisen, dass sie anderen zu Gefallen
sind. Ein Erwachsener fühlt sich sicher und wertvoll, während
ein Nichterwachsener eine grundlegende Unsicherheit niemals richtig los
wird. Er ist von der Meinung anderer abhängig, lässt es zu, dass
ihn deren Urteile und Handlungen in seinem Selbstwertgefühl beeinflussen.
Menschen, die ein starkes Gefühl für ihr eigenes Selbst haben,
die ihren eigenen Wert kennen, blicken auch in Situationen, in denen sie
sich von anderen angegriffen oder herabgesetzt fühlen, gelassen. Die
Gelassenheit ist ein Ausdruck innerer Reife, niemand kann ihre Integrität
verletzen."
Und zum Punkt "für die nachfolgenden Generationen sorgen" zitiert
sie ebenfalls einen Amerikaner: "Der Lebenslaufforscher Erik H. Erikson
hielt »Generativität« für ein bedeutsames Element
des Erwachsenenlebens: Sie »ist in erster Linie das Interesse an
der Erzeugung und Erziehung der nächsten Generation, wenn es auch
Menschen gibt, die wegen unglücklicher Umstände oder aufgrund
besonderer Gaben diesen Trieb nicht auf ein Kind, sondern auf eine andere
schöpferische Leistung richten, die ihren Teil an elterlicher Verantwortung
absorbieren kann«."
Artikel:
Ursula Nuber: "Die schwierige Kunst, ein Erwachsener zu sein",
in: "Psychologie Heute", April 2001
Marc Paul Maron: "Seid ihr alle da?", in: "Psychologie Heute", Dezember
2001
Erwachsensein in einer Welt, die ständig im raschen Wandel begriffen
ist, kann nicht in allem das gleiche bedeuten wie vor hundert Jahren. Die
Wurzeln müssen tiefer liegen als im äußeren Anschein, der
oft von überholten Vorstellungen geprägt ist. Deswegen, weil
etwa die ältere Generation bestimmte Männer- und Frauenrollen
als "erwachsen" ansieht oder neue Musikrichtungen als "kindisch" abtut,
muß das im tieferen Sinn nicht unbedingt zutreffen. Wir müssen
lernen, zeitgebundene von grundlegenden Merkmalen des Erwachsenseins unterscheiden.
Um uns weiterentwickeln zu können, müssen wir in gewisser Weise
offen bleiben und dazu immer wieder unser zeitgebundenes Erwachsensein
beiseite lassen, um wieder "wie Kinder zu werden". Von Jesus wird die Aussage
berichtet: "Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, könnt ihr nicht
ins Himmelreich eingehen." Denoch ist der Bibel nicht zu entnehmen,
daß sich seine Jünger wie kindische "Halleluja-Softies" aufgeführt
hätten - im Gegenteil, sie waren bereit, für die Sache des Evangeliums
bis zur letzten Konsequenz einzutreten.
Wenn wir Menschen begegnen, erkennen wir eigentlich sehr schnell, ob
wir einer "wirklich erwachsenen" Person gegenüberstehen oder nicht.
Wir spüren das, obwohl wir diese Qualität vielleicht nicht klar
an äußeren Eigenschaften festmachen können - der Mensch
kann von Beruf Arbeiter sein, Politiker, Prediger oder Clown. Das ursprüngliche
Bild des Erwachsenen wurzelt also in unserer Menschennatur selbst (in der
Sprache der Religion ausgedrückt: von unserem Schöpfer hineingelegt).
Die Arbeit, dafür eine jeweils zeitgemäße Form zu finden,
bleibt uns allerdings nicht erspart.