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Papa, was machst du am Computer?Eltern, die ihre Kinder bei der Berufs- und Ausbildungswahl unterstützen wollen, tun gut daran, sich mit ihrem eigenen Werdegang auseinanderzusetzen.
Ist es wirklich noch zu früh, mir über die künftige Berufswahl meiner Kinder Gedanken zu machen? Mein Ältester besucht eben erst die Volksschule, der Jüngere noch den Kindergarten, und die kleine Tochter hat auch diese Bildungsstufe noch vor sich. Da ich keine fixen Vorstellungen über die Berufswahl meiner Kinder habe, könnte ich doch eigentlich den Dingen ihren Lauf lassen und bräuchte die nächsten Jahre, in denen noch keine berufsrelevanten Schulwechsel anstehen, kaum einen Gedanken darauf verschwenden. Doch es gibt viele Hinweise darauf, dass, ebenso wie der spätere Lebensweg der Kinder insgesamt, auch ihre Berufswahl - und da vor allem die Wahl der ersten Ausbildung - wesentlich von den Eltern beeinflusst und mitbestimmt wird. Die Erfahrung, aber auch wissenschaftliche Untersuchungen, zeigen, dass da vor allem die unerfüllten Wünsche, aber auch die Ängste der Eltern eine wichtige Rolle spielen. Das muss nicht unbedingt schlecht sein, solange den Kindern noch genügend Freiraum bleibt, letztlich ihre ureigene Entscheidung zu treffen. Sich mit dem eigenen Werdegang auseinandersetzen
Eltern, die ihren Kindern gute Begleiter und Unterstützer bei der Berufs- und Ausbildungswahl sein wollen, tun also gut daran, sich mit ihrem eigenen Werdegang auseinanderzusetzen. Wer jeden Abschnitt seines Lebens als wichtige Erfahrung verarbeiten und akzeptieren kann, der wird auch seine Kinder nicht mit unverdauten Wünschen und Ängsten belasten. Wie steht es da mit mir? Da ich schon als Kind ziemlich vielfältige Interessen hatte - Technik und Naturwissenschaften interessierten mich ebenso wie alles was mit Sprache, Geschichte und Gesellschaft zu tun hatte - und meine Eltern die Entwicklung meines breiten Interessensgebietes durch Spielzeuge, Baukästen, Bücher und dergleichen förderten, fiel es mir lange Zeit recht schwer, mich auf ein konkretes Berufsziel festzulegen. Zeitweise hätte ich am liebsten zwei oder drei Berufe - in wechselnden Kombinationen - gleichzeitig ausgeübt: Erfinder, Architekt und Schriftsteller beispielsweise. Als ich vierzehn war, gingen meine Eltern mit mir zu einem Berufsberater (oder war es ein Schulpsychologe; so genau weiß ich das nicht mehr). Meine einzige Erinnerung daran ist, dass ich dort einen Eignungstest ausfüllte, dessen Ergebnis mir im Wesentlichen das bestätigte, was ich ohnehin vermutet hatte, dass ich nämlich sprachlich recht gut war. Daraufhin trat ich in ein Oberstufenrealgymnasium mit entsprchendem Schwerpunkt über. Die "entgültige" Entscheidung war also zu meiner Erleichterung wieder um ein paar Jahre verschoben, und die Sache mit der Berufsberatung war eine ziemlich isolierte Einzelaktion geblieben, denn Berufsorientierung in der Schule fand damals so gut wie überhaupt nicht statt. Ideale anzustreben, sollte auch im Beruf möglich sein
Die eigentliche Berufsentscheidung, die sehr stark mit meiner persönlichen Lebensperspektive zusammenhing, wollte ich mir von niemandem abnehmen lassen. Als Teenager war ich mir jedenfalls darüber im Klaren, dass ich einen Beruf wollte, in dem ich Ideen entwickeln und umsetzen konnte. Ganz natürlich erschien mir auch, dass ich in irgendeiner Form die Gesellschaft oder gar die Welt verbessern wollte. Ideale anzustreben, sollte auch im Beruf möglich sein. Was ist also aus den Träumen und Perspektiven der Jugend geworden? Nun, mehr als ursprünglich gedacht, hat auch der "Zufall" Regie geführt - oder war es doch nicht nur "Zufall". Pläne wurden geschmiedet, kurz vor der Realisierung wieder umgestossen und durch neue ersetzt. Lebenserfahrungen, die der "Zufall" arrangierte, kamen dazu, und die beeinflussten wiederum die neuen Pläne. Psychologie wollte ich studieren: den Menschen, das rätselhafte Wesen (und offensichtlich auch mich selbst), besser verstehen - der psychologische Test des Berufsberaters hatte somit seine Wirkung auf mich zumindest in dieser Hinsicht nicht verfehlt. Später, nachdem ich den Studienbeginn eine Weile verschoben und inzwischen Erfahrungen im Ausland gemacht hatte, fühlte ich mich doch wieder zu einer Form der Umsetzung psychologischer Erkenntnisse, dem Lehrerberuf, hingezogen. Die Vorstellung, damit automatisch in die beruflichen Fussstapfen meiner Eltern zu treten, schreckte mich jetzt nicht mehr so wie früher. Da mich das Bedürfnis, die Gesellschaft verbessern zu wollen, nie ganz losgelassen hatte, landete ich als nächstes bei der Beschäftigung mit der "Schule der Nation", den Massenmedien: Ich begann an der Universität Publizistik und Kommunikationswissenschaft zu studieren, blieb nun tatsächlich dabei und schloss dieses Studium erfolgreich ab. Dem Klischee entsprechend, sollte das also der Beginn einer Journalistenlaufbahn sein. Doch nach dem Sprung ins kalte Wasser der freiberuflichen journalistischen Arbeit wurde ich bald abgetrieben - Regisseur "Zufall" hatte wieder eingegriffen: Die publizistisch-forscherische Tätigkeit im Bereich Berufs- und Arbeitswelt bot sich als alternative Nische zum heiß umkämpften Marktplatz der allgemeinen Publikumsmedien an, auf dem ein Platz als angestellter Journalist nur schwer zu ergattern war. Der Lebensweg meiner Frau ist noch gewundener als meiner, da er außer durch
Berufswechsel auch noch durch zwei Wechsel der Kulturkreise geführt hat. Derzeit
übt sie einen Beruf aus, den weder die heutige Gesellschaft und Wirtschaft noch
gängige Berufsdefinitionen üblicherweise als solchen anerkennen - weil die
Arbeit nicht in Geld aufgewogen wird: Sie betreut drei kleine Kinder und führt
den Haushalt. Dass das in Wirklichkeit eine sehr herausfordernde Tätigkeit ist,
weiß ich als teilzeitlich unterstützender Hausmann nur zu gut. Bleibt zu hoffen,
dass sich diese Erkenntnis in der Gesellschaft stärker durchsetzt und die in
intensivem Training erworbenen sozialen Fähigkeiten beim nächsten Berufswechsel
in einen Sozialberuf, den meine Frau anstrebt, anerkannt werden. Um zu entscheiden, wohin man gehen will, ist es gut zu wissen, woher
man kommt
Ich kann auch nicht darüber hinwegsehen, dass für uns und unsere Kinder nicht bloß mein eigener Lebensweg und der meiner Frau von Bedeutung ist, sondern auch der meiner Eltern, meiner Großeltern und sogar meiner weiteren Vorfahren: Mein Großvater war ein intelligenter Mann; als Jugendlicher träumte er davon, einmal Lehrer zu werden. Daraus wurde nichts, da damals ein Kleinhäuslersohn aus einem kleinen Bergbauerndorf fast nur über den Priesterberuf die Gelegenheit zu einer entsprechenden Schulbildung erhalten konnte (und von höherer Bildung für Frauen war überhaupt keine Rede!). Also durchlief er eine den finanziellen Möglichkeiten des Elternhauses angemessene Ausbildung, die sich in einem Dorf eben gerade bot: Er wurde Fleischhauer und übte den Beruf mit dem erworbenen handwerklichen Geschick eine Weile aus. Als sich später doch noch eine Möglichkeit zum beruflichen Aufstieg bot, wurde er Eisenbahnbediensteter, Fahrdienstleiter und schließlich Bahnhofsvorstand. Seine Tochter - meine Mutter - wurde Volksschullehrerin, und übte diesen Beruf, den ihr Vater nicht ergreifen hatte können, bis zur Pensionierung mit persönlichem Engagement aus. Sie hat Erfahrungen aus ihrem Lebens- und Berufsweg auch schon in schriftlichen Aufzeichnungen festgehalten, die sie uns nachfolgenden Generationen zugänglich machen. Wenn wir unseren Kindern unsere eigenen Lebensgeschichten, unsere
Erfahrungen, Motive und Beweggründe, unsere Träume, Wünsche , Befürchtungen,
Enttäuschungen, nicht zuletzt aber auch die Erfolge und Siege unseres bisherigen
Lebens zu vermitteln versuchen, dann ist das Geschichtsunterricht im besten
Sinn. Aus (Lebens-) Geschichte, die wir reflektiert und verarbeitet haben,
können nicht nur wir, sondern auch unsere Kinder, wahrscheinlich mehr lernen als aus der Geschichte der napoleonischen Kriege. Ihre persönlichen Siege
- auch im Berufsleben - müssen unsere Kinder selbst erkämpfen (natürlich auch
mit unserer Unterstützung). Doch wenn man zu entscheiden hat, wohin man gehen
will, ist es gut zu wissen, woher man kommt. |
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Friedrich Moshammer
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