Um Gottes Willen
Heinrich Krcek schlägt uns eine Brücke
aus dem Familienalltag direkt in den Himmel

Abschaffen oder umdenken

In einer Tageszeitung fällt mir eine Überschrift auf: “Eifersüchtiger Mann er­sticht Frau mit Küchenmesser”. Wieso gab es in dieser Wohnung ein Messer? Wieso kam dieser Mann überhaupt an das Messer heran? Warum gibt es überhaupt Messer? Da ein Messer ganz offensichtlich dazu führt, dass wir einander töten, sollten wir die Messer abschaffen. Nicht nur die Küchenmesser! Alle Messer, alles, was spitz und scharf ist! Wäre das nicht ein sinnvoller Vorschlag zur Jahrtausendwende? Würde dadurch nicht die Zahl aller Ermordeten drastisch gesenkt werden?

Um die Anzahl derer, die gewaltsam um die Ecke gebracht werden, überhaupt auf Null zu reduzieren, müssten wir konsequenter Weise alle Stricke, Gürtel, Hand- und sonstigen Feuerwaffen, alle Fenster, aus denen man jemand stoßen kann, alle Gifte, Injektionsnadeln, Hämmer, Äxte, Brechstangen u. ä. m. vom Erdboden verschwinden lassen.

Und am Ende müssten wir uns selbst abschaffen, weil wir einander noch immer mit den Händen erwürgten.

Oder gibt es eine andere Möglichkeit ?

Wir könnten ja versuchen, uns zu ändern. Nicht einer den anderen! Aber ich mich, jeder sich - tief drinnen im Kern, im Herzen.

“Wandelt euch durch ein neues Denken” schreibt der Hl. Paulus an die Römer. Ergänzend ließe sich hinzufügen: ...durch ein neues Fühlen, durch ein neues Wollen.

Dann schneiden wir mit dem Küchenmesser wieder friedlich Brot füreinander, Speck und Kraut, spalten Holz mit der Axt und bergen einander in den Armen und Händen. Wir schaffen auch einander nicht mehr ab in den unzähligen Genoziden der Geschichte bis herauf in unsere Tage. Wir beginnen miteinander zu leben, weil wir daran gehen, jeden in seinem So-Sein, seinem Anders-Sein, seinem einmaligen Sein zu achten, zu ehren und zu lieben.

Was wäre das für eine Wende! Das ist eine Wende!

Heinrich Krcek, Theologe

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