Millennium 2000

Eine schlechte Zeit für Bösewichte



Wir erleben eine kosmische Wende. Sie ereignet sich fast unbemerkt. Andererseits wird viel über Weltuntergangsdaten spekuliert. Sie laufen sich tot, spätestens sobald das vorhergesagte Datum eintritt und die Welt sich weiterdreht wie bisher. Was haben wir von dieser geistigen Wende zu erwarten, die das 21. Jahrhundert nachhaltig prägen wird?

Millennium bedeutet Jahrtausend. Millennium nimmt aber auch Bezug auf die Offenbarung des Johannes in der Bibel. Dort ist von einem Wechsel der Herrschaft die Rede, von dem Beginn einer neuen Zeitperiode, in der das Gute sich besser ausbreiten kann und das Böse an Kraft verliert.

Das auslaufende 20. Jahrhundert war von einer Intensität, wie kein anderes Jahrhundert davor. Es gab Kriege und unermeßliches Leid. Trotzdem hat auch viel Neues begonnen. Wissenschaft und Technik haben sich rasant weiterentwickelt. Ein weltwirtschaftliches Gefüge ist entstanden. Durch die Ausbreitung der Informationstechnologien bildete sich ein weltweites Kommunikationssystem. Durch die Entwicklung des Internet haben immer mehr Menschen die Chance, an diesem Prozeß direkt teilzunehmen.

Der Aufstieg und Fall totalitärer Systeme wie dem Nationalsozialismus und dem Kommunismus hat eine geschichtliche Lehre erneut deutlich gemacht: die destruktiven Kräfte tragen den Keim der Selbstzerstörung bereits in sich, sie sind in ihrer Wirkkraft zeitlich begrenzt. Auch die letzten echten Diktatoren geraten zunehmend unter Druck. Sie werden früher oder später ausgewechselt. Eine schlechte Zeit für Bösewichte bricht an.

Heute wird viel über den Weltuntergang geredet. Jedoch in einer sehr oberflächlichen Form. Nostradamus wird zitiert. Manche erwarten Katastrophen. Prof. Tollman zum Beispiel rechnet für Oktober mit dem Einschlag eines Kometen auf der Erde. Wenn die Erde sich weiterdreht wie bisher und die ganz große Katastrophe ausbleibt, werden die Menschen bald wieder zur Tagesordnung übergehen.

Worum geht es aber bei dieser Wende - 2000 Jahre nach Jesus? Es geht darum, nicht nur von einer besseren Welt zu träumen, sondern sie auch konkret zu verwirklichen. Wie wird das geschehen? Nicht durch äußere Gebärden, nicht durch äußere Phänomene. Beginnend in jedem einzelnen von uns, in den Familien, in den kleinen Gemeinschaften, liegt der Ausgangspunkt für die Veränderung. Die unbewußte Erwartung mancher, die "Erlösung" würde frei Haus geliefert, durch einen Zauberstreich Gottes, vergißt auf den eigenen Anteil der Verantwortung des Menschen.

Wir werden nicht umhinkommen, an der Entwicklung unserer Persönlichkeit zu arbeiten, die Fähigkeit Beziehungen positiv zu gestalten zu verbessern. Einen Ausgleich zu finden zwischen unserer individuellen Entwicklung und den Erfordernissen, die die Gemeinschaft an uns stellt. Wir werden entdecken, daß Wachstum Zeit braucht, Geduld und viel Liebe.

Was uns die Wende zum nächsten Millenium geben kann, ist ein geistig freieres Umfeld. Sie enthebt uns nicht unserer persönlichen Verantwortung, läßt uns aber die Freiheit, unsere Talente richtig einzusetzen. Die Veränderung der Rahmenbedingungen in Richtung eines positiveren Umfeldes für die Entwicklung des einzelnen, der Familie, der Gemeinschaften wird ein Megatrend des 21. Jahrhunderts werden.
Karl Ebinger