Musik

The Go - Betweens "Bright yellow, bright orange" * * * * *

Ein Sonnenaufgang ?
Ein Waldspaziergang mit einem guten Freund ?
Ein lauer Sommerabend mit Grillen und Maikäfern ?
Ein Kinderlachen?

.......oder ? Es sind verzweifelte Versuche mit Metaphern die Musik der neuen Go-Betweens Platte in Worte zu kleiden. Und auch diese Versuche können nur scheitern. Es fehlen - buchstäblich die Worte.
Es soll ja heißen, dass die beste Popmusik aus England käme. Schon lange nicht mehr. Außer selbstgefälligen Rüppelpop (Oasis) und egozentrischen Psychokunstrock (Radiohead) hat die Insel im Moment nicht viel zu bieten. Die Beatles gibt es schon lange nicht mehr und Sir Paul Mc Cartney gebe ohne zu zögern seine letzte Bassgitarre, würden ihm nur solche Melodien einfallen, welche uns die Go-betweens auf "bright yellow bright orange" kredenzen. In den letzten 30 Jahren ist ihm nichts derartiges gelungen.

Das mit Pop und England kann schon stimmen. Die Go-Betweens sind Australier also irgendwie auch Engländer. 1978 trafen sich Grant McLennan und Robert Forster an der Queensland University. Das Duo gründete die Band mit 3 weiteren Musikern. Beide teilten sich Gesang, Gitarre und Bass und schreiben gemeinsam die Lieder. Forster`s Kompositionen sind die dunklen, romantischen und melancholischen, während in Mc Lennan`s Liedern immer die Sonne strahlt.

Vielleicht lag es am perfekten Zusammenspiel der so unterschiedlichen Musiker oder schier an diesem riesigen Kontinent, der so weit weg zu sein scheint - abseits der schnellen Welt - in einer Zeitschleife. Wahrscheinlich ist es beides und vieles mehr, dass es den beiden seit 25 Jahren gelingt, abseits des großen Rummels eine perfekte Popplatte nach der anderen aus dem Ärmel zu schütteln. Zeitlose Musik ohne Mätzchen und Kalkül, einfach wunderschöne Melodien, welche Geschichten von den kleinen Dingen des Lebens erzählen.

Das neue Werk liefert 10 perfekte Pop-Perlen, welche Geschichten erzählen über die seltsamen Nachbarn, Tagebuchschreiber, einsamen Buchhändlerinnen und Menschen, für die sich die Welt zu schnell dreht. Die kleinen Dinge eben - wenn es "kleine" Dinge überhaupt gibt.
Lieder, die so heißen wie "Caroline and I", "Mrs. Morgan" oder "Too much of one thing", welches bezaubert durch die schmissige Melodie und den klugen Text über das Älterwerden: "When I rise in the morning, It´s if I walked hundred miles, What I once did so easy, now it comes in a hundred styles. What I need is persitence, too much of one thing". Nach diesen Zeilen schwingt sich das Lied nach oben, wie ein Bub auf einer Schaukel und beide singen fröhlich vor sich hin: "Bada Ba Bada Ba Bada". Wer traut sich das heute noch?

Im nächsten Titel heißt es dann: "I gotta learn to give, I gotta learn to live" zu hören in "Crocked Lines" geschrieben und gesungen von einem Mittvierziger. Einzelne Titel hier rauszupicken ist unsinnig, jeder ist für sich ein Kunstwerk. Diese Musik hat sich Hörer verdient. Die Band sowieso - allein für den Namen. Ob sie diese kriegt, mag bezweifelt werden. Die Musik der Go-Betweens ist so zeitlos, dass es für sie in unserer Mediengesellschaft (fast) keinen Platz gibt.

Hören sie sich diese Platte an. Die Musik wird ein Lächeln und eine Träne in ihr Gesicht zaubern. Darauf wette ich einen Strauß Blumen - ganz ehrlich.



  

Andreas Bauer