Editorial

Nach dem Fall des Kommunismus in Europa gab es ein großes Aufatmen. Für kurze Zeit verbreitete sich eine Stimmung, als seien nun die wichtigsten Probleme der Menschheit gelöst. Was jedoch folgte und sich gegenwärtig extrem verschärft ist das Zusammenprallen unterschiedlicher Kulturen, alte Ressentiments in regionalen Konfliktherden brechen erneut in voller Schärfe aus. Dahinter liegen oft soziale Ungerechtigkeit, unterschiedlicher religiöser Hintergrund und fundamentalistische Strömungen, die im Extremfall sogar terroristische Mittel einsetzen, um ihre Interessen durchzusetzen.

Man hat den Eindruck, die Auseinandersetzung mit Politik und Ideologie des Kommunismus in seinen verschiedenen Spielarten, war nur eine Ebene. Darunter tut sich nun eine tiefere Schicht auf. Dort, wo es um jahrhundertealte kulturelle Spannungen geht, wo Glaubensfragen auf der Haut brennen, wo soziales Unrecht manifest ist, da ist mehr gefordert, als militärische Machtausübung oder politisches Muskelspiel.

Wir stehen vor der Herausforderung in neuer Weise mit diesen Spannungen umzugehen und nach den Ursachen für die Konflikte zu fragen. Was kann einer friedlichen Entwicklung dienen?

Hier ist es durchaus sinnvoll, schon vor der eigenen Haustür mit der Suche zu beginnen. Wie stehen wir zu Menschen mit anderer Überzeugung, Herkunft, Hautfarbe im eigenen Land? Haben wir noch ein Gefühl für die spirituelle Dimension in unserem Leben oder sind wir vollauf beschäftigt mit Überlebenskampf und Konsum?

Vor diesem Hintergrund ist die aktuelle Ausgabe der  FAMILIENPERSPEKTIVEN zu sehen. Dr. Friedrich Moshammer behandelt in seinem Beitrag das Thema: "Das Gemeinsame in der Vielfalt kennen lernen". Er stellt sich die Frage, wie Religionsunterricht, Werterziehung, kulturelle Brückenbildung in Zukunft vermittelt werden könnte.

Andreas Bauer spricht über persönliche Beobachtungen, die er in Europa und Amerika gemacht hat in Bezug auf das Thema: "Zugang zu Religion und Spiritualität." Bemerkenswert ist auch eine weltweit durchgeführte Initiative der "Interreligious and International Federation for World Peace (IIFWP), die das Ziel hat, im Rahmen der UNO eine interreligiöse Ratversammlung zu etablieren, in der verantwortungsvolle Vertreter unterschiedlicher Religionen vertreten sind und an der Verwirklichung des Weltfriedens mitarbeiten. Sollte diese Idee Wirklichkeit werden, wäre das ein echter "Reformschritt für die UNO".



  

Mit freundlichen Grüßen
Karl Ebinger