Was haben Familie, Beruf und persönliche Interessen gemeinsam? Wofür nütze ich meine Zeit? Was macht mir wirklich Freude?

Zeit für das, was mir wichtig ist

Kürzlich wurde ich gefragt, welche Arbeiten im Haushalt ich zugunsten von mehr Freizeit aufgeben möchte. Kaum zu glauben, aber mir fiel nichts ein. Die - für mich - zeitraubendste Tätigkeit, nämlich das Geschirrabwaschen, erledigt seit geraumer Zeit einer der Haushaltshelden, die mit Strom betrieben werden.

Und sonst? Ich habe gegen Putzen nichts, nichts gegen Bügeln, nichts gegen Kochen - wobei ich zugeben muß, daß ich in der glücklichen Lage bin, die letzten beiden Dinge gelegentlich im Rahmen meiner Berufsausübung durchführen zu können. Wäre das nicht so, würden mir diese Tätigkeiten zwar nicht weniger Streß machen, aber sicher mehr von meiner individuellen Zeit fordern. Soviel zum Thema Hausfrau.

Meine weiteren Rollen sind die der Ehefrau und Mutter. Diese, für mich im Themenverband "Beziehungen" zu den wichtigsten gehörend, spiele ich im Alltag ab späteren Nachmittag - bewusst. Das heißt, diese Zeit gehört der Familie.

Bleibt noch der Beruf. Wiederum muß ich feststellen, daß ich in der äußerst glücklichen Lage bin, Turnusdienst zu haben mit der Möglichkeit, zu schlafen. Als ich diesen Vorteil nicht hatte (also keine freien Stunden am Vormittag, keine Ruhe in der Nacht), ging es mir viel schlechter. Und da sind wir beim Alltag einer berufstätigen Frau, so wie auch ich es erlebte:

In der Früh auf in die Arbeit! Dann "heimstauen" oder in den Öffis heimquetschen, einkaufen, putzen, kochen, bügeln, Mann, Kind; Samstags endlich in Ruhe einkaufen. Nachmittags Besuch, Sonntags alles erledigen, was noch sein "mußte". Sehr wenig Zeit blieb für Entspannung, noch weniger für Entspannung gemeinsam mit der Familie. Bald war ich ziemlich aufgerieben. Auch, als ich wieder Nachtdienste machte, kaum aber zu genug Schlaf kam, schleppte ich mich nur so dahin.

Warum tu´ ich mir das an, fragte ich mich? Wegen der Selbstverwirklichung? Die hätte ich zur Genüge auch ohne Job (obwohl ich dort sogar einen guten Teil meiner Fähigkeiten und Neigungen einsetzen kann!). Trotzdem könnte ich den Bereich "Selbstverwirklichung im Beruf" wesentlich lockerer gestalten: Mit Seminaren, die ich halte, Hobbys, usw.

Also, warum arbeite ich eigentlich? Wegen des leidigen Geldes! Weil wir uns an einen Standard gewöhnt haben, der zwei Gehälter erfordert! Wir wollen eine feine, große, warme Wohnung, viel Besuch (deshalb die große Wohnung), Kinder, Reisen, Schenken. Den Kindern Bildungs- und Freizeitangebote ermöglichen, verschiedenen Hobbys frönen (z.B. Malen, Fotografieren, ...), dazu braucht man Kohle. Viel Kohle sogar.

Gibt´s aus diesem Streß einen Ausweg? (Ja, Turnusdienst machen, in dem man in der Nacht schlafen kann - gelingt vermutlich nur einem kleinen Teil der Bevölkerung!) Fällt mir nur mehr ein: Prioritäten setzen. Im Kleinen sowie im Großen! Muß wirklich alles gebügelt werden? Muß wirklich täglich alles glänzen? Muß wirklich täglich das Bett tiptop gemacht sein, alles Spielzeug weggeräumt, staubgesaugt sein? Wozu, wenn ich dann sogar zu müde bin, mich daran zu erfreuen oder das Gefühl habe, alle lassen mich im Stich? Bin ich nicht zufriedener, wenn ich mal Fotos anschaue, mit einer Freundin telefoniere, einen Brief schreibe, eine Duftlampe anzünde und mit meinem Mann plaudere oder mit meinem Kind Kuchen backe? (Trifft sogar zwei Fliegen mit einer Klappe!)

Ich könnte meine Arbeitszeit reduzieren und überlegen, wo ich vielleicht doch nicht so viel Geld verbrauchen muß. Es sei denn, der Beruf ist genau das, was ich mir unter meinem Lebenszweck, meinen Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung vorstelle. Dann muß ich aber in Kauf nehmen, dass diese Priorität natürlich wieder zu Lasten anderer Dinge geht.

Vielleicht ist es eine kleine Hilfe, zu fragen: "Was gibt mir Energie und wann will ich was; in welchem Lebensabschnitt gelten welche Wichtigkeiten: Mir gibt es zum Beispiel viel Kraft, mich anderen Menschen zu widmen. Das freut mich, und dann geht alles andere auch leichter von der Hand! Und unterm Strich sollte immer wieder ein kleines Energieplus herauskommen und das Gefühl der Zufriedenheit, weil ich viel geschafft habe, nicht aber, weil "es" mich geschafft hat!

Susanne Benes

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