Die wahren Abenteuer sind im Kopf ... |
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Es soll ja schon vorgekommen sein, daß ein Urlauber an einem gelungenen Urlaubsabend sich Luft macht mit dem Ausruf: "Wunderbar &SHY wie zu Hause !". Auch wenn man nicht wie einst Helmut Qualtinger in seinem berühmten Urlaubs - Sketch Schnitzel und Erdäpfelsalat im Gurkenglas mitnehmen mag, so ist doch unser Zuhause der Maßstab für jeden Urlaubsaufenthalt. In unseren Köpfen fährt immer ein beachtliches Stück Zuhause mit. Wozu dann überhaupt noch wegfahren ? Ein Blick auf das belebte Treiben an der sommerlichen Donauinsel in Wien, auf die originalen Naturbadeplätze mit ihren nicht minder originalen Stammgästen, die versteckten Schotterteichsiedlungen und Kleingartenanlagen sind einige der typischen Refugien der überzeugten Reiseverweigerer.
Wie die Statistik zeigt (siehe auch Kasten "Die Urlaubsgewohnheiten der Österreicher"), sind aber beträchtliche Teile derer, die zu Hause ihren Urlaub verbringen, verhinderte Urlauber. Als Gründe werden meist berufliche, finanzielle, familiäre oder gesundheitliche Hindernisse genannt. Ob man den Urlaub nun aus Überzeugung oder bedingt durch die Umstände zu Hause verbringt, die Berücksichtigung einiger weniger Überlegungen wird entscheidend zur Zufriedenheit mit dem eigenen Urlaub beitragen.
Die Anekdote mit den zwei Firmenregeln ist nicht ganz neu:
§1. Der Chef hat immer recht.
§2. Sollte Chef einmal nicht recht haben, tritt automatisch § 1 in Kraft.
Abgewandelt auf den Urlaub zu Hause könnte man auch formulieren:
§1. Urlaub macht Spaß, weil man sich den Urlaubsort frei aussuchen konnte.
§2. Kann man sich den Ort nicht frei aussuchen, tritt automatisch §1 in Kraft.
Wer auf dieser Welt kann uns eigentlich verbieten, aus einer sich ergebenden Situation eine willkommene Gelegenheit zu machen? Dies ist allerdings nicht mit dem dumpfen Verdrängen jenes diffusen Gefühls der Benachteiligung zu bewerkstelligen, sondern mit einem aufrichtigen innerlichen Zwiegespräch. Mein Verstand kann meinem Gefühl einen Weg zeigen, zu seinem Ziel zu kommen. Es gibt natürlich tausende Dinge, die wir nicht so einfach beeinflussen können und die sich auf uns auswirken. Doch da bleiben unglaublich viele Bereiche, wo wir genug tun können.
Über dem Gefühl, sovieles nicht so tun zu können, wie man möchte, übersieht man allzugern den sehr wohl bestehenden konkreten Einflußbereich, den wir ganz souverän bestimmen können. "Glücklich ist, wer vergißt, was doch nicht zu ändern ist! wird gerne als leben und leben lassen interpretiert. Eine andere Leseart sagt freilich: "Glücklich ist, wer nicht vergißt, was sehr wohl zu ändern ist!"
Eine ganze Industrie ist damit beschäftigt, uns Konsumenten unverzichtbares Wissen über sichere Wege zum Glück beizubringen. So sollten wir doch nun langsam schon verstanden haben, daß wir ganz sicher glücklich sein werden am herrlichen Strand und jener außergewöhnlichen Landschaft und inmitten dieser einzigartigen Kulturdenkmäler... Wie man es allerdings macht, von dort überallher zufrieden nach Hause zu kommen, das müssen wir schon selbst herausfinden. Wenn obendrein Nachbar's Urlaub billiger, sein Wetter schöner, sein Essen viel reichlicher war, dann ist auch der zufriedenste weitgereiste Urlauber gefordert, sich seine Freude nicht wieder wegnehmen zu lassen. Umsomehr gilt dies für den Urlaub zu Hause. Wie wohl wir uns auch gefühlt haben, jeder Zentimeter Zufriedenheit muß behauptet, ja noch regelrecht ein zweites Mal erobert werden. Die lieben Arbeitskollegen, Schulkameraden unserer Kinder und vor allem die Freunde werden auch diesmal nichts unversucht lassen! Sind wir also darauf gerüstet und lassen wir uns diesmal nicht überraschen!
Es ist nicht jedermanns Sache, den ganzen Urlaub durchzuplanen und dann im Kopf die Checkliste der erledigten Aufgaben abzuhaken. Gleichwohl habe ich auch Bekannte, die dies machen und es sich nicht anders vorstellen könnten. Der Erholungswert der Urlaubstage leidet aber andererseits auch darunter, wenn es wochenlang gar keine Höhepunkte gibt. Dabei genügen schon einige wenige Ereignisse, die man dann auch entsprechend "zelebrieren" kann. Solche Fixsterne in Ihrem Urlaubshimmel beflügeln schon vor dem Urlaub die Phantasie. Gerade zu Hause kann man ja auch "Events", Ereignisse gestalten, für die in der Kürze der Urlaubsreise ohnehin niemals Zeit bleiben würde. Von ihrem Urlaub wird mehr in Erinnerung bleiben und es wird einiges geben, von dem sie auch erzählen können und ... wollen. Übrigens: da ja ein regelrechter Schichtbetrieb in den Sommerferien existiert, sind wahrscheinlich 50 Prozent Ihrer Freunde und Bekannten gerade nicht verreist, wenn Sie mal ein größeres Fest feiern wollen.
So praktisch in Griffnähe wie zu Hause hat man es ohnehin nirgendwo. Alles ist am gewohnten Platz, der Supermarkt ist dort, wo er immer war, der Kühlschrank und der Keller auch. Das sind sicherlich Vorteile der Ferien zu Hause. Aber da sind auch noch Kabelfernsehen, Radiogerät und vielleicht ein Computer - sie alle umgeben uns tagtäglich. Wer es einmal probiert hat, der weiß auch, daß eine Woche ohne Fernsehen ein überraschend positives Erlebnis sein kann. Ein Verzicht auf diese Utensilien, mit denen uns starke Gewohnheiten verbinden, ist nur eine kaum bemerkte Nebenerscheinung einer Urlaubsreise und macht mit einen Teil des Urlaubsgefühls aus, das wir ja durchaus alle lieben.
Erfolgversprechender als das allzu verbissene "Aufgebenwollen" von alten Gewohnheiten ist allerdings das Annehmen neuer sinnvoller Gewohnheiten. Wenn sie neuen Geschmack finden, an einer Abendlektüre, einem täglichen Spaziergang oder aktiver Sportstunde, einem täglichen Blick in den Sternenhimmel oder die Natur, oder einer anderen guten Gewohnheit, dann werden sie von selbst die Zeit nehmen von weniger aufbauenden alten Gewohnheiten. Gewohnheiten, mit denen wir uns sogar im vertrauten heimischen Umfeld vertraut machen können, haben übrigens vergleichsweise große Chancen, beibehalten zu werden.
"Die wahren Abenteuer sind im Kopf und sind sie nicht in deinem Kopf, dann suche sie !" singt Andre Heller in einem meiner liebsten Chansons. Günther Nenning meint in seinem Buch "Gott ist verrückt", wenn man beim Anblick eines Schmetterlings nicht an Gott zu glauben beginne, dann müsse man ganz schön blöd sein. Allzusehr hält uns der Alltag fest umklammert und Lieder und Zitate aus Büchern lösen eher einen Seufzer aus. "Ach, ich weiß ..." Wie sollen wir uns selbst geistig erheben aus dem Alltag und zu unkonventionellen Gedanken und Ideen aufbrechen und vor allem wann ? Sicher ist die Zeit dafür, Schmetterlinge anzusehen, den Sternenhimmel oder die Bergwelt ist eine sehr gut genutzte Zeit. Stellen wir uns nur mal vor, wir würden uns jeden Tag 30 Minuten von den 1440 Minuten eines Tages Zeit für diese besinnlichen Dinge nehmen. Wenn wir diese Übung fortsetzen eine Woche lang dann sind es bereits 3 Stunden und 30 Minuten, nach 2 Wochen bereit 7 Stunden. Wann haben wir uns das letzte Mal 7 Stunden Zeit genommen, um über die tieferen Dinge im Leben nachzudenken ? Und wie nun, wenn wir auf den Geschmack kommen und diese halbe Stunde die Perle des Tages wird, mit der wir jeden Tag des Jahres veredeln wollen. Dann werden die 30 Minuten jeden Tag Kraft genug haben, auf die verbleibenden 1410 Minuten des Tages abzufärben. Was könnte schon soviel wichtiger sein als den Urlaub für den ersten Schritt zu nutzen &SHY ob am Balkon oder in der Südsee.