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Um Gottes Willen |
| Heinrich Krcek schlägt uns eine Brücke aus dem Familienalltag direkt in den Himmel |
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Der wichtigste Mensch |
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Als junger Priester sollte ich an einem ganz gewöhnlichen Wochentag in der Pfarrkirche meines Nachbardorfes aushelfen. Frauenbeichte stand auf dem Programm. Die Frauen kamen aber nicht nur zur Beichte. Sie nahmen diese fromme Gelegenheit wahr, um rasch notwendige Einkäufe im Dorf zu tätigen. So verbanden sie die kirchliche Vorschrift mit der Notwendigkeit des Alltags.
Da standen sie nun in langer Reihe vor dem Beichtstuhl oder saßen in den Bänken und warteten, wie ich vermutete, geduldig, bis sie an der Reihe waren.
Ich nahm meine Aufgabe und jeden Menschen sehr ernst und versuchte in jedem Fall einem angesprochenen Problem auf den Grund zu gehen. Auf diese Weise - so nahm ich jedenfalls an - würde ich dem einzelnen Menschen helfen seinen Frieden mit Gott und sich selbst wieder zu finden.
Plötzlich riss eine der "geduldig"wartenden Frauen die Tür zum Beichtstuhl auf, dort wo ich saß, und bemerkte aufgebracht: "Wenn Sie nicht schneller machen, gehen wir überhaupt nicht beichten!"
- und schmiss die Tür wieder zu.
Im Moment war ich sprachlos. Das durfte ich aber nicht lange bleiben, denn hinter dem Gitter saß ja jemand, der mir gerade etwas anvertraut hatte. Oder war das gar kein Anvertrauen? War das alles Routine? Die brave Erfüllung ritueller Vorschrift ohne tatsächlichen Bezug zur eigenen inneren Reifung?
War nicht der wichtigste Mensch derjenige, der gerade vor mir war, der mit mir und zu mir sprach? Mußte ich in einem derartigen Gespräch auch auf jene Rücksicht nehmen, die voller Ungeduld vor der Türe warteten? Ich war verwirrt, hin und her gerissen.
Ich weiß heute nicht mehr ob es mir damals sofort gelungen ist: Ich nahm mir jedenfalls vor, jeden Menschen, mit dem ich gerade unmittelbar zu tun hatte, als den wichtigsten Menschen zu betrachten.
Heinrich Krcek
Theologe