Hollywood hat schon immer geplündert, sich schamlos aus Geschichte und Kultur bedient, um ein immer vergnügungssüchtigeres Publikum zufriedenzustellen. Im Moment steht die Mystik wieder hoch im Kurs. Das Ungewisse, Rätselhafte nicht Begreifbare lockte immer wieder Millionen. Während im Fernsehen Serien wie Akte X von Fans schon als Dokumentation bewertet werden und eine neue Welle von unnötigen apokalyptischen Millenniumsfilmen über uns hereinbricht, hat Hollywood wieder das Jenseits entdeckt. So ein Leben nach dem Tod birgt ja viele Möglichkeiten.
Einiges gab es ja schon auf diesem Sektor. Onkel Spielberg verkitschte „Always“ derartig,daß einem die Lust aufs ewige Leben kurzfristig verging. „Ghost war sicher unterhaltsam, reichte jedoch über das Klischee – die Guten in den Himmel, die Bösen in die Hölle- nicht hinaus. Hollywood hat zu diesem Thema nie wirklich die „Märchenstunde“ verlassen. Man unterhält sich und vergißt das ganze wieder.
Der sechste Sinn ist anders. Erstens tappt er nicht in die gleichen Klischeefallen, sondern erzählt in erster Linie eine Geschichte über Menschen, die mit einer außergewöhnlichen Situation konfrontiert sind.Der Kniff ist, daß der Glaube an ein Jenseits nicht als Sensationsaufmacher dient,sondern ein natürlicher Bestandteil der Geschichte ist.
Hier wird nichts erklärt. Es gibt ein Leben nach dem Tod und diese Geschichte handelt eben davon.
Es gibt Filme, die uns immer wieder tief berühren, weil sie etwas Wahres in uns ansprechen.Der sechste Sinn drückt diesen Knopf, was wäre wenn und zwingt uns zum Nachdenken über das Erzählte und das Leben ...was wäre wenn?
Der junge Cole (hervorragend gespielt von Haley Joel Osmont) hat - wie sich später herausstellt - die Fähigkeit mit Verstorbenen zu kommunizieren. Er wird damit nicht fertig und leidet unter furchtbaren Angszuständen.Er behält diese Fähigkeit für sich, für seine Umwelt gilt er jedoch als gestört. Seine Mutter ist völlig entnervt und ratlos über seine ständigen Angstzustände.
In dieser Situation taucht der Kinderpsychologe Malcolm Crowe (Bruce Willis) auf, der selbst an einem schweren Trauma leidet. Einer seiner Patienten hat sich umgebracht. Er trifft auf Cole und versucht ihm zu helfen, um damit auch seine eigenen Dämonen zu besiegen. Für ihn ist der Junge ein emotional gestörtes Scheidungskind. Er nähert sich gefühlvoll seinem Patienten und versucht, mit bekannten Methoden zu helfen. Dieser verschließt sich anfangs. Erst als die Beziehung der beiden tiefer wird und Malcolm den Psychiaterkodex bricht und von seinen eigenen Problemen erzählt, öffnet sich Cole und verrät sein Geheimnis.
„Ich sehe tote Menschen“ preßt er aus sich heraus – „sie sind unter uns und wissen nicht daß sie tot sind“. Diese Schlüsselszene zieht den Zuschauer endgültig in den Bann des Films. Fasziniert klammert man sich an den Sessel oder Nachbarn und harrt der kommenden Dinge.
Da der Film einige überraschende Wenden hat, möchte ich der weiteren Entwicklung der Geschichte nicht mehr vorgreifen.
Nach dem überraschenden, jedoch schlüssigen Ende torkelt man verwirrt und nach Luft ringend in die kühle Nachtluft und fragt sich ernsthaft: „Was wäre wenn........ die Toten wirklich unter uns sind.“
Wie gesagt, ein Film der buchstäblich unter die Haut geht und sich lange nicht aus unseren Gedanken verbannen läßt.
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