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"cash" mit Jonny CASH Die alten Helden des Rock n´Roll Circus entpuppen sich immer mehr als letzte beständige Konstante für die marode Musikindustrie
American VI – Ain`t no grave heißt die soeben erschienene CD der Country Legende Johnny Cash und ist zugleich ein Verkaufsschwerpunkt für seine Plattenfirma. Neu ist im Zusammenhang mit Johnny Cash ein relativer Begriff. Der Künstler verstarb im November 2003. Das neue Album enthält Aufnahmen, welche Cash kurz vor seinem Tod eingespielt hat und die von seinem Freund und Produzenten Rick Rubin abgemischt und jetzt zur Veröffentlichung freigegeben wurden. Als Johnny Cash im Herbst 1994 sein Album American Recordings veröffentlichte, geschah dies anfangs ohne große Aufmerksamkeit und doch markierte gerade dieses Werk den Beginn des erstaunlichsten Comebacks seit Lazarus. Es war der Rap & Heavy Metall Produzent Rick Rubin, der Cash aus der Versenkung holte, und ihm zum tröstlichsten Comeback der Rockgeschichte verhalf. Es war ein jahrzehntelanger Wunsch von Johnny Cash ein Album nur mit Gesang und Gitarre aufzunehmen. Rick Rubin sorgte für das richtige Songmaterial, und ließ Cash nebst eigenem Liedgut, Lieder von Nick Lowe, Tom Waits und Glenn Danzig interpretieren. Die Stimme bildete das Zentrum, die akustische Gitarre sorgte nur für karge Begleitung. Es sollten letztlich sechs Alben werden, die Johnny Cash über eine Zeitspanne von zehn Jahren gemeinsam mit Rick Rubin aufnahm und ihm uneingeschränkten Respekt und Wertschätzung als Künstler einbrachte. Cash interpretierte Lieder von unterschiedlichen Interpreten wie U2, Tom Petty, Nine Inch Nails, Simon & Garfunkel, Sting, Soundgarden und Depeche Mode und machte diese zu seinem Eigentum. Als ob die Lieder geschrieben wurden, um von ihm gesungen zu werden. Gleich einem Findelkind, das endlich vom richtigen Vater in die Arme genommen wird. Das neue Album steht hier in der Tradition der berühmten und großartigen Vorgänger und ist ein würdiger Schlussstein. Cash singt mit seiner brüchigen aber noch kräftigen und eindringlichen Stimme eine gut abgehangene Mischung aus eigenen Liedern, Klassikern und Fremdkompositionen. Dazu gibt es einfache Begleitung zwischen spartanisch gespielten Folk und rustikalen Country. Musik die kratzt und knarrt wie ein alter Schaukelstuhl und den Hörer in die Arme nimmt. Die Lieder haben eine spirituelle Note was nicht verwundert. Während der Aufnahmen verstarb Johnnys Frau Rosanne. Cash selbst war todkrank und wusste, dass ihm nicht mehr viel Zeit auf Erden vergönnt ist. Der Sänger intoniert Redepmtion Day von Sheryl Crow mit der Endgültigkeit eines Mannes der alles gesehen hat und nur noch den letzten großen Weg vor sich hat. There is a train that's heading straight Beklemmend und entrückend. Auch die Eigenkomposition I Corinthian 15:55 ist zutiefst berührend. Cash blickt mit Dankbarkeit zurück und mit Freude und Hoffnung nach vorne. So ist das neue Album ein weiteres bewegendes Werk in der langen bewegten Karriere des großen Johnny Cash. Die CD ist auch – und das darf man an dieser Stelle ruhig schreiben – eine weitere feste kommerzielle Konstante für die Plattenfirma und das nicht nur weil der Künstler nicht mehr lebt. Johnny Cash hat bereits zu Lebzeiten seinen Plattenfirmen ordentliche und stabile Umsätze mit seinem Backkatalog (frühere Alben) beschert. Das Label Columbia (Sony) hält die Rechte der Alben mit den größten Hits (1960 – 1982). Universal verwaltet die Comebackalben von 1994 bis Heute und auch die unrühmliche Periode dazwischen (1982-1983). Die Rechte der frühen Aufnahmen für das Sun Label sind inzwischen verjährt. Daher werden Sampler mit frühen Hits wie Get Rhythm und Walk the Line von verschiedenen Plattenfirmen auf den Markt geworfen. Es gibt inzwischen über 100 so genannte Best-Of Alben und jährlich kommen neue Kompilationen dazu - und werden gekauft. Johnny Cash macht „Cash“ für die Plattenfirmen und er ist nicht der Einzige. Diesen Jänner wurde der 70ste Todestag von Elvis Presley begangen und eine neue Kompilation mit altbekannten Hits des „King“, erreichte den zweiten Platz der österreichischen Albumcharts. Obwohl von Elvis bereits Dutzende Hitsampler in den Regalen stehen und seit Jahrzehnten für Millionenumsätze sorgen, finden neue Hit-Kompilationen immer wieder reißenden Absatz. Auch die alten Alben und Filme von Elvis finden jedes Jahr Käufer. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Nicht anders verhält es sich bei den noch sehr aktiven Rolling Stones. „Backkatalog“ ist das Zauberwort. 1993 hat der britische Plattenmulti EMI für damals unglaubliche 35 Millionen Euro die Stones und deren Liederkatalog (1971-1993) übernommen. Man erhoffte sich Großes, nicht nur von neuen CDs der Veteranen, sondern auch von der Vermarktung des Backkatolog und wurde nicht enttäuscht. Die alten Stones Alben erschienen auf CD und verkauften Millionen. 2009 wechselten die Stones erneut und gingen mit Sack und Pack zu Universal. Bisher hatte der weltweit größte Musikkonzern nur die Rechte für die frühen Stones Alben (die DECCA-Aufnahmen 1962-1970). Jetzt ist der komplette Katalog der ältesten und erfolgreichsten Bluesband der Welt bei Universal. Diese begann sogleich die Alben klanglich zu überarbeiten und neu aufzulegen. Obwohl die Klangverbesserungen nur marginal waren, griffen die Fans erneut zu. Auch die Beatles überarbeiteten letztes Jahr ihre Alben klanglich und erzielten damit den großen Renner im Weihnachtsgeschäft. Im schnelllebigen Musikgeschäft wird es immer schwieriger und teurer neue junge Künstler zu etablieren. Und es wird auch immer unsicherer ob sich das Investment auch lohnen wird. Rückschläge kann sich die angeschlagene Industrie nicht leisten. Gestandene Helden wie Johnny Cash, Elvis Presley und die Rolling Stones bilden hier eine stabile Rücklage und die Garantie auf kalkulierbare Umsätze. Die bereits große Fanbase wächst beständig, junge interessierte Musikhörer stoßen zu den alten Fans, welche auch ihre Langspielplatten durch verbesserte CDs ersetzten. Sie können es noch, die grauen Panther des Musikgeschäfts. |
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Andreas Bauer |
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