Partnerschaftlich erziehen
Was sich für Lehrer, Schüler und Eltern ändert
Lehrer, Schüler und Eltern gehen ein Stück des Lebensweges gemeinsam. Das verbindet. Es entstehen Freundschaften, die oft Jahrzehnte gepflegt werden. Klassentreffen finden statt, liebgewonnene Lehrer werden dazu eingeladen. Die Schulzeit kann aber auch als Horror erlebt werden. Manche haben diesen Abschnitt verdrängt. Nach der Devise: "Nichts wie weg."
Was hat sich verändert in der Beziehung Lehrer, Eltern, Schüler? Welche Möglichkeiten bietet die Internet-Revolution für Kommunikation und Wissensvermittlung in der Schule? Welche Qualifikationen sind in Zukunft gefragt?Unterschiedliche Bedürfnisse
Eine Frau aus München, die vor 35 Jahren Schule bewusst erlebte: "Wenn Eltern öfters in die Schule kamen, um mit den Lehrern zu sprechen, war das damals eher ein alarmierendes Zeichen." Man dachte sofort an Schulprobleme.
Heute könnten diese Gespräche auch Teil eines partnerschaftlichen Austausches zwischen Lehrern und Eltern sein.
Lehrer, Schüler und Eltern haben unterschiedliche Bedürfnisse. Die Eltern wollen, dass aus ihren Kindern etwas wird. Die Lehrer üben Erziehung und Wissensvermittlung als Beruf aus. Die Schüler sehen sich mit Anforderungen von Lehrern und Eltern konfrontiert.
Die Eltern möchten gerne stolz auf die Leistungen ihrer Kinder sein. Die Lehrer wünschen sich einen befriedigenden Schulablauf. Die Kinder möchten einfach spielerisch an die Sache herangehen.
Lehrer, Schüler und Eltern haben aber auch etwas gemeinsam. Die Zeit, die sie miteinander verbringen. Die Beziehungen, die sie pflegen. Die Erlebnisse, die sie teilen.Soziale Kompetenz
Was kann helfen, gut miteinander auszukommen? Ein Stolperstein sind die unterschiedlichen Bedürfnisse von Lehrern, Eltern und Schülern. Diese Bedürfnisse als unterschiedlich zu erkennen, ist der erste Schritt. Dazu bedarf es Gespräch und einer offenen Haltung. Sie zu akzeptieren, folgt als Nächstes. Mit diesen unterschiedlichen Bedürfnissen partnerschaftlich ein gemeinsames Ziel zu erarbeiten, ist der Schlüssel zum Erfolg.
Wichtig ist dabei zu verstehen, dass es eine auf die konkreten Lehrer, Schüler und Eltern bezogene Situation gibt. Jede Klasse ist anders. Abhängig davon, wie das soziale Verhalten der Schüler ist und wie gut ihre fachlichen Leistungen sind. Die eigentliche Aufgabe des Lehrers oder der Lehrerin besteht darin, auf die spezifische Situation der Schüler und der Klasse als Ganzes einzugehen. Nicht nur was das Lehrziel betrifft, sondern vor allem auch was die sozialen Beziehungen betrifft.
Wie die Lehrkraft mit Kindern umgeht, die sozial oder leistungsmäßig nachhängen, wird zu einer wichtigen Erfahrung für alle Kinder in der Klasse. Eine schwierige Klasse wird der Lehrende jedoch nicht allein ausbalancieren können. Er könnte versuchen, andere Kinder aus der Klasse anzuregen, diejenigen zu unterstützen, die Schwierigkeiten haben beim Lernen oder in den Beziehungen. Außerdem besteht die Möglichkeit, nach Eltern zu suchen, die Unterstützung geben können.
An die Grenzen geraten
Junglehrer in Deutschland wurden zu Schulbeginn und am Ende eines Schuljahres befragt. Sie formulierten zu Beginn ihre persönliche Einschätzung, wie ein Lehrer sein sollte und stellten am Ende des Jahres ihre Erfahrungen gegenüber. Dabei ergaben sich folgende Ergebnisse:
"Der Lehrer sollte konfliktfähig sein - Manchmal konnte ich nicht mehr weiterdiskutieren und brach das Gespräch einfach ab."
"Der Lehrer sollte fachlich kompetent sein - Fachkompetenz konnte ich nicht immer aufweisen, z.B. angesichts des umfangreichen Stoffes."
"Der Lehrer sollte einfühlsam, liebevoll und verständnisvoll sein - Diese Verhaltensweisen gelangen mir kaum bei aggressiven Schülern. Oft griff ich hart durch, um selbst zu "überleben". Hinterher bekam ich Schuldgefühle."
Der Pädagoge Reinhold Miller meint zu diesem Spannungsfeld: "Die Realität fordert den Lehrern Verhaltensweisen ab, die sie im Grunde gar nicht vertreten wollen. Die Lösung des Dilemmas besteht darin sich nicht von vornherein auf "gute" Verhaltensweisen festzulegen, sondern die Fähigkeit zu erlangen sich auf sich selbst, auf die Schüler und auf die Situation entsprechend einstellen zu können. Der "gute" oder "schlechte" Lehrer zeigt sich nicht in erster Linie durch genau definierte Wesenszüge, sondern vor allem als eine in Situationen adäquat handelnde Person."
Miller ist hauptberuflich in der Lehrerfortbildung tätig. Sein Buch Lehrer lernen - Ein pädagogisches Arbeitsbuch ist in neuer Überarbeitung erschienen. Er gibt darin wertvolle Tipps zum pädagogischen Alltag und praktische Anweisungen, ihn zu meistern.Eltern einbeziehen
Eine bemerkenswerte Initiative wurde vom BRG Viktring in der Nähe von Klagenfurt gesetzt. Dort wurde im Jahre 1996 eine Eltern-Lehrer-Schüler-Akademie (ELSA) gegründet. ELSA soll den Kontakt zwischen Eltern, Lehrern und Schülern außerhalb der Schulatmosphäre vertiefen. Ein wesentliches Anliegen ist, dass neben Lehrern auch Eltern und Schüler Kurse gestalten.
Das Programm reicht von der Altstadtwanderung in Klagenfurt bis zu einer Exkursion in das Karstgebiet von Triest, von einer Vogelstimmen-Exkursion bis zum Englisch - Irisch - Schottischen Volkstanzen und von einem Besuch im Kärtner Marionetten-Theater bis zum Tauchkurs für Anfänger.Schüler informieren
An vielen Schulen werden Schülerzeitungen gemacht. Die Verbreitung des Internet bietet hier neue Möglichkeiten. Der Wirtschaftsinformatiker Holger Schwichtenberg hat eine Jugendpresse Seite erstellt, die besonders für Schülerzeitungsredakteure und Nachwuchsjournalisten nützlich ist. Holger Schwichtenberg war selbst viele Jahre in der Jugendpresse tätig und stellt seine Informationen, die er im Laufe der Zeit gesammelt hat, in übersichtlicher Form im Internet zur Verfügung.
Die Tipps beziehen sich auf Suche und Recherche, Links zu Schülerzeitungen im WWW, Kontakt zu Jugendmedien-Verbänden und Werbung.Aktuelle Informationen für Lehrer
TeachersNews heißt ein wöchentlich aktualisierter Informationsdienst rund um das Thema Schule. TeachersNews wendet sich insbesondere an Lehrer und Lehrerinnen. Neben dem wöchentlichen Newsletter, der sowohl direkt im Internet abrufbar als auch als e-mail zu erhalten ist, wird eine Textsuche angeboten, Informationen zu bestimmten Unterrichtsfächern und Lernsoftware.
Karl Ebinger