Burnout-
Syndrom

bei Lehrern

Wie damit umgehen?

Anfang der 90er Jahre wurde viel über Burnout in sozialen Berufen geschrieben und geforscht. Manche Studien bezeichneten ein Viertel der LehrerInnen im Pflichtschulbereich als "ausgebrannt". Vorbeugende Maßnahmen wurden empfohlen und man überlegte sich Strategien, um die Auswirkungen aufzufangen. Nach 1995 trat dann die große Stille zu diesem Thema ein.

Begriffsbestimmung

Allgemein wird das Burnout-Syndrom mit psychischen und verhaltenspsychologischen Reaktionen auf unmittelbaren Arbeitsstress in Helferberufen in Verbindung gebracht. Prof. Werner Schwendenwein sieht Burnout als "enorme Beeinträchtigung der subjektiven Empfindlichkeit eines erwerbstätigen Menschen bezüglich seiner kognitiven, affektiven und psychischen Fähigkeiten". Heute bezeichnet man damit einen weiten Bereich von Zuständen, die auf Erschöpfung, Frustration oder Unzufriedenheit im Beruf beruhen.

Bedingungen

Die neun wichtigsten Bedingungen, dass Burnout bei LehrernInnen auftritt, sind:

Wenn früher von "Lehrerangst" und "Lehrerstress" die Rede war, meinte man meist den sogenannten "Praxisschock" der Junglehrer. Nun wird man sich immer bewusster, dass mit dieser Form des Lehrerstresses auch dienstältere Lehrer zu kämpfen haben, ja dass mit zunehmendem Dienstalter die schulische Arbeit subjektiv belastender empfunden wird. Dabei spielen mangelndes Feedback, Stressoren wie tägliche Ärgernisse und emotionale Defizite eine zentrale Rolle.

Voraussetzungen

Damit es bei LehrerInnen zu Burnout kommt, sind bestimmte Voraussetzungen notwendig:
Bei ausgeprägter Berufsneigung zu hochgesteckte Ziele
Unterschätzen der Mittel zur Zielerreichung
Falsche Berufserwartungen ("Arbeit mit Kindern macht immer Spaß")
Arbeit = Lebenssinn
Hoher Autonomieanspruch ohne Kompromissfähigkeit
Arbeit ist mit Werten der Tüchtigkeit und Selbstverantwortung untrennbar verbunden

Schon zwei oder mehrere der o.a. Voraussetzungen können den Burnout - Prozess in Gang setzen.

Die sieben Stufen des Burnout-Syndroms

Dr. Harald Mathé, gelangt zu einer siebenstufigen Skala des Burnout-Syndroms:

1. Warnsymptome der Anfangsphase: vermehrtes Engagement für Ziele - physische Erschöpfung - psychische Erschöpfung
2. Psychosomatische Reaktionen: hartnäckige Infektionskrankheiten, Verspannungen, Migräne, Allergien, Rückenprobleme u.a.
3. Reduziertes Engagement: für Klienten, Kunden - für andere im Allgemeinen - für die Arbeit - erhöhte Ansprüche
4. Emotionale Reaktionen, Schuldzuweisung: depressive Problemverarbeitung (man sucht die Schuld bei sich) - aggressive Problemverarbeitung (man sucht die Schuld außen)
5. Abbau: der Motivation - der Kreativität - der geistigen Leistungsfähigkeit - Entdifferenzierung (einfache Erklärung für komplexe Zusammenhänge)
6. Verflachung: des emotionalen Lebens - des sozialen Lebens - des geistigen Lebens
7. Verzweiflung: Zweifel an der Berufswahl - Selbstzweifel - Abwertung des Selbstwertgefühls

Zusammenfassung

Burnout ist keine Versagerkrankheit. Im Gegenteil: Burnout -gefährdet sind vor allem Menschen, die sich stark engagieren und mit Begeisterung an die Arbeit gehen. Wer einmal drinnen steckt, erkennt nicht immer die Hintergründe der Symptome. Der Weg heraus bleibt dadurch unsichtbar. Dr. Mathé, Psychologe in Wien, meint, dass es bereits hilft, wenn man weiß, wie die Burnout-Symptomatik abläuft. "Da erkennen viele sich und ihre Probleme wieder". Wichtig sei vor allem die Erkenntnis, dass man im Grunde in Ordnung und nicht etwa zum Psychofall verkommen ist. Er empfielt einige Coachings beim Psychologen, um das
Selbstwertgefühl wieder zu stärken und rät von einer Psychotherapie oder Psychopharmarka ab. Die momentane Krise kann auch als Chance verstanden werden, um über sein Leben wieder einmal zu reflektieren und sich mit sich selbst und eventuell verdrängten Wünschen auseinanderzusetzen. Dabei lernt man sich besser kennen und verrutschte Werte renken sich wieder ein. Wichtig ist es, mehr auf seinen Körper und Geist zu hören, mit seinen Ressourcen richtig umzugehen und wieder mehr Abstand zur Arbeit zu bekommen

Ingrid Wagner
Bereichsleiterin für
Kommunikation und Persönlichkeitsbildung
Am Pädagogischen Institut der Stadt Wien

 

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