The Flaming Lips

The Soft Bulletin 1999 (WEA-records)

Eine der besten Bands der Welt veröffentlicht die schönste Platte (CD) der 90er und (fast) keiner hört hin. Aber daran sind die 3 Menschen aus Oklahoma ja bereits gewöhnt.

Seit 17 Jahren bastelt und tüftelt die Band um Sänger und Mastermind Wayne Coyne an ihren Liedern. Und veröffentlichte - nahezu unbemerkt - ein Meisterwerk nach dem anderen. Die letzte Großtat erschien im Mai 99 und wurde zum Fanal. Was die Plattenfirma nicht daran hinderte, die Band anschließend fallenzulassen.

Aber diese Gruppe ist einfach zu groß um vom Radio oder der Industrie eingefangen zu werden. Das Werk ist musikalisch entrückt und läßt sich in keine Schublade zwängen.
Auch die aktuelle Platte verschließt sich wieder allen herkömmlichen Vorstellungen wie Musik sein sollte.

Schon der erste Titel verstört und verzückt gleichzeitig. Ein Mülltonnenschlagzeug duelliert sich mit einem drittklassigen Orchester. Chöre treffen auf Gitarren und alles ist irgendwie anders und doch vertraut. Daraus schälen sich süßliche Melodien die sich einfach nicht an unser Ohr anpassen wollen und uns trotzdem gefangen nehmen. Und weiter geht's, jedes Lied eine kleine Symphonie, eine Geschichte - ein klingender Traum. Wie ein vertonter Woody Allen Film. Die schrägen Figuren und Situationen wirken irgendwie doch vertraut.

Die abgehobene Musik funktioniert hervorragend für die herrlich verträumten und verschrobenen Texte. Beim zweiten Titel "A spoonful weighs a ton" singt Wayne Coyne herzerweichend: " And though they were sad they rescued everyone, they lifted up the sun, a spoonful weighs a ton". Und in "The spark that bleed" wundert er sich über die weichste Kugel, die je abgeschossen wurde: "I accidentally touched my head and noticed that I have been bleeding, for how long I didn`t know. What kind of weapons have they got? The softest bullet ever shot." Der Schmerz wird zum Triumpf "I stood up and I said Yeah!!" Was auch immer er damit sagen will - es ist egal. Die Bilder laufen bereits in unserem Kopf.

Mit Freude und Wehmut erzählen die Flaming Lips Geschichten, die niemand mehr zu erzählen wagt. Von Wissenschaftlern, die Tag und Nacht forschen, um das große Heilmittel zu finden, von Helden die ihr Leben opfern, um Millionen zu retten und von Supermännern, denen wohl auch diese Welt zu kompliziert ist. Wer hier surreal schreit, hat seine eigenen Träume vergessen und verraten.
Träume und Wünsche werden vertont, deren vermeintlich Banales zur Größe wird. Die Welt gesehen durch die Augen eines entrückten Idealisten, der wir gern wieder wären, aber nicht mehr sein dürfen. Die Realität hat uns längst überholt und wartet an der nächsten Ecke. Den Flaming Lip ist es egal, sie spielen weiter Peter Pan und hinterlassen uns eine traurige und doch zutiefst erhebende Platte.

In einer anderen Zeit und auf einem anderen Planeten wären die Flaming Lips Nr. 1 der Hitparade und Millionäre. Wir leben jedoch heute und auf dieser Welt. Und so bleibt uns nur die Vorfreude auf den 21. Mai. Da spielen die Flaming Lips im Planet-Music in Wien - eine einmalige Gelegenheit. Die Beatles habe ich verpaßt, aber dieses Mal werde ich da sein.

See you there
Andreas Bauer

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