Dein Partner das unbekannte Wesen?

Männer und Frauen sind sehr verschieden. Jeder, der in einer Ehe oder einer Partnerschaft lebt, kann davon ein Lied singen. Diese Unterschiede sind jedoch nicht nur körperlicher Natur. Sie betreffen das Wesen von Mann und Frau, den Umgang mit den Gefühlen, den Ausdruck in der Sprache. Mann und Frau haben auch unterschiedliche Bedürfnisse.

Manchmal scheint es, als hätte die Natur uns einen Streich gespielt. Nach der Phase der ersten Verliebtheit, kommt oft das Erkennen der Unterschiede und eine Kluft tut sich auf.

Doch die unterschiedlichen Veranlagungen haben einen tieferen Sinn. Sie sind die Vorraussetzung für eine Beziehung zwischen Mann und Frau, die lebendig bleibt, die nach der Ergänzung durch den anderen sucht, die die Liebe jung erhält.

„Gleich zu gleich gesellt sich gern.“ und „Gegensätze ziehen sich an“ sind zwei scheinbar widersprüchliche Aussagen. Beide haben ihre Berechtigung und können in der Beziehung von Mann und Frau nebeneinander bestehen.

Ein Mindestmaß an gemeinsamen Wertvorstellungen, Interessen und gleicher „Wellenlänge“ sollte zwischen Mann und Frau vorhanden sein. Andererseits sind es gerade die unterschiedlichen Wesensarten von Mann und Frau, die dem einzelnen helfen seine Persönlichkeit zu erweitern. Ein Ehepaar, das zwei sehr unterschiedliche Persönlichkeitstypen in Liebe vereint, ist ungeheuer anziehend. Wenn Sie so ein Ehepaar kennen, schauen Sie sich deren Freundeskreis an und Sie werden in den meisten Fällen sehr unterschiedliche und interessante Menschen treffen.

Der Amerikaner John Gray, ein Familientherapeut, hat in seinem Weltbestseller „Männer sind anders. Frauen auch.“ einige wichtige Unterschiede zwischen Mann und Frau herausgearbeitet. Sich diese bewußt zu betrachten, kann dabei helfen, den eigenen Partner und sich selbst besser zu verstehen.

 

Typisch männlich, typisch weiblich
Mann im Streß, Frau im Streß
Die Pendelnatur der Männer, die Wellennatur der Frauen

 

Karl Ebinger
Seminartrainer des SHIMJUNG Institutes
zur Förderung sozialer Kompetenz

P.S. Die hier angesprochenen Unterschiede zwischen Mann und Frau, können in diesem Rahmen nur kurz angedeutet werden. Es besteht jedoch die Möglichkeit, in Form eines Seminarabends über dieses Thema ausführlicher zu sprechen. Unsere eigenen Bedürfnisse besser zu verstehen und die Verhaltensmuster unseres Partners mit neuen Augen zu sehen, ist die Voraussetzung, zufriedenere und glücklichere Partnerschaften zu erleben.

Typisch männlich, typisch weiblich

Wenn ich hier von typisch männlich und typisch weiblich spreche, geht es mir nicht so sehr darum, Kategorien einzuteilen, sondern das Bewußtsein für ein bestimmtes Verhaltensmuster zu wecken. Jeder Mann hat männliche und weibliche Aspekte in sich und jede Frau hat weibliche und männliche Aspekte in sich. Beim Mann überwiegen die männlichen Aspekte, bei der Frau die weiblichen Aspekte.

Männer schätzen es zum Beispiel sehr, kompetent (fachkundig) zu sein. Sie streben danach, etwas zu leisten, effizient zu arbeiten. Sie möchten gern Verfügungsgewalt in einem bestimmtem Bereich haben. Männer finden Erfüllung im Erfolg. Autonomie und Freiraum sind ihnen besonders wichtig.

Frauen schätzen zwischenmenschliche Beziehungen, Kommunikation, liebevolles Miteinander. Ihr Selbstbewußtsein wird in hohem Maße durch Gefühle und die Qualität der zwischenmenschlichen Beziehungen bestimmt. Für die Frau ist es wichtig, sich mitteilen zu können, über ihre Anliegen zu sprechen. Sie möchte ihre Individualität ausdrücken und zur Geltung bringen.

Männer sind eher zielbewußt und sachorientiert, während Frauen eher beziehungsbewußt und gefühlsorientiert sind. Beobachten sie einmal sich selbst und ihren Partner in dieser Hinsicht. Diese unterschiedlichen Veranlagungen einmal bewußt auszusprechen und ein gegenseitiges Verständnis dafür zu entwickeln, kann Wunder wirken.

Mann im Streß, Frau im Streß

Männer gehen anders mit Streß um, als Frauen. Wenn Männer überlastet sind, ziehen sie sich in die Konzentration zurück. „Ich brauche jetzt meine Ruhe.“ Sie gehen in ihre Höhle, wo sie etwas verarbeiten können. Dann kommen sie wieder.

Frauen unter Streß wollen sich emotionell mitteilen. Sie möchten über ihr Problem sprechen. Frauen unter Streß weiten sich aus und werden von den Problemen erschlagen. „Du hörst mir nie zu!“ „Du hast nie Zeit für mich, wenn ich Dich brauche.“

Der Mann möchte sein Problem in allen Details lösen, zunächst einmal für sich selbst. Die Frau möchte über ihr Problem in allen Details reden. Dem Mann geht es vordringlich um die Lösung eines Problems. Für die Frau geht es eher darum, mit ihren Gefühlen ins Reine zu kommen.

Was passiert, wenn der Mann müde und gestreßt von der Arbeit kommt und die Frau, tagsüber mit den Kindern allein, sofort und ausführlich über ihre Probleme reden möchte?

Die Pendelnatur der Männer, die Wellennatur der Frauen

Männer haben ein starkes Bedürfnis nach Autonomie. Sie erleben die Beziehungen zu Frau und Kindern sehr intensiv. Nach einer bestimmten Zeit verspüren sie jedoch den Drang, sich zu entfernen. Sie pendeln aus. Nach einer bestimmten Zeit haben sie plötzlich wieder Sehnsucht zurückzukehren und die Familie in die Arme zu schließen.

Dieser Wesenszug kann für die Frau eine große Schwierigkeit darstellen. Sie braucht ihren Mann vielleicht gerade sehr dringend. Er ist aber gerade dabei, auf Distanz zu gehen. Wenn die Frau den Mann jedoch nie gehen läßt - und das nicht nur im räumlichen Sinn - oder das Vertrauen hat, daß er wieder aus seiner Höhle herauskommt, wird es auch für den Mann sehr schwierig.

Frauen haben Phasen, wo sie voller Liebe sind und viel ausgeben können. Es gibt aber auch Zeiten, wo sie sich energielos und leer fühlen. Sie durchlaufen eine Wellenbewegung - auf und wieder ab, Wellenberg und Wellental. Es ist für den Mann wichtig zu wissen, daß dieses Hoch und Tief zum Lebensrythmus gehört. Gerade wenn die Frau in einer Talsohle ist, braucht sie viel Zuwendung und Verständnis von ihrem Partner.

Das Verständnis um die Pendelnatur des Mannes und die Wellennatur der Frau ist in doppelter Hinsicht bedeutsam: Einerseits für die Beziehung von Mann und Frau und andererseits für das Selbstverständnis des einzelnen.

Mann und Frau können lernen, anders miteinander umzugehen, wenn sie Verständnis für die Pendelnatur und die Wellennatur entwicklen und ein Gespür dafür, wie es dem Partner gerade geht. Für den Mann und die Frau kann es eine Hilfe sein, sich selbst besser anzunehmen. Der Mann: „Ich habe die Freiheit, mich zu entfernen.“ Die Frau: „Ich fühle mich in einem Wellental, aber ich weiß, das nächste Hoch kommt bestimmt.“