Augenblicke der Freude

Wie den Kindern einen Erlebnisrahmen geben?


Meine Frau Elvira und ich fragen uns in letzter Zeit öfters, wie wir unseren Kindern helfen können, persönlich zu wachsen. Unsere Tochter Ines wird heuer 13, unser Sohn Marvin 11 Jahre jung. Beide sind schon in der Pubertät. Ines mitten drin. Marvin, angeregt durch das Verhalten seiner Schwester, auf dem besten Weg dazu.

Die beiden finden mehr und mehr zu Ihrer eigenen Persönlichkeit. Die Schule, die Medien, der Freundeskreis konfrontiert sie mit einer Fülle von teilweise widersprüchlichen Eindrücken. Was die anderen "auch - tun", was "cool ist", wird plötzlich ziemlich wichtig.

Darum suchen wir immer wieder Situationen, die unsere Kinder anregen, kreativ zu sein, sich sozial zu entwickeln, liebevolle Momente wahrzunehmen.

Ines hat zum Beispiel 3 Jahre lang eine Ballettausbildung gemacht. Marvin ist ein begabter Läufer und hat beim Kindermarathon schon einige Erfolge errungen. Einmal in der Woche besuche ich mit den Kindern einen Gymnastikabend im Turnverein.

Glücklicherweise gibt es hinter unserem Haus einen Garten. Seit einigen Jahren pflanzen wir dort im Frühjahr gemeinsam Tomatenstauden. Die wollen eingesetzt, an Holzstäben hochgebunden, gegossen und vom Unkraut befreit werden. Sie reifen heran, lassen sich ernten.

Meine Frau kennt viele verschiedene Pflanzenarten und erzählt den beiden Sprösslingen darüber. Ines ist recht geschickt im Betreuen von Pflanzen. Elvira ist literarisch gebildet und liest gern. Die Geschichte vor dem Schlafengehen ist in letzter Zeit wieder ein echter Hit geworden.
Die Abende verlaufen ruhiger als noch vor einem Jahr, manchmal ist auch mehr Muße für die Hausaufgaben da - wenn nicht gerade die Freunde warten. Warum? Wir haben den Fernseher auf Urlaub geschickt! Zuerst tageweise, dann wochenweise, nun ist er schon seit einigen Monaten auf Weltreise.

Für diesen Freiraum für uns alle habe ich mich eingesetzt und teilweise gekämpft wie ein Löwe, was die Überzeugungsarbeit betrifft. Der fernsehlose Zustand ist bei den Kindern nach wie vor nicht sehr beliebt. Doch es gibt ja Alternativen. Die neuesten Hits aus dem Radio sind bei uns mächtig präsent, samt der mitgelieferten Werbung. Wenn Ines und Marvin Freunde besuchen, können sie natürlich auch fernsehen. Die Omas sind ebenfalls mit einem Fernseher ausgestattet. Zu Hause aber gibt es einen gewissen Freiraum für Kreativität, Zeit für das eine oder andere Gespräch, Zeit um gemeinsam zu lachen. Mama bringt da mehr ein als ich.

Elvira und ich besuchen gerne befreundete Ehepaare. Viele haben Kinder. Das eröffnet die Möglichkeit, Freundschaften zu schließen. In meiner Familie gibt es eine Tradition, die ich immer sehr geschätzt habe. Wir feiern die Geburtstage. Dadurch kommen wir mit meinen Eltern, und meinen beiden Geschwistern mit ihren Familien alle 4-6 Wochen garantiert zusammen. Unsere Kinder erleben einen Hauch der Atmosphäre, die entsteht, wenn Großeltern, Eltern und Kinder sich treffen.

Weitere Highlights für die Kinder sind die Reisen nach München zur dortigen Oma oder zur Schwägerin nach Hamburg. Dafür werden die Ferien genützt. Im Vorjahr haben wir als Familie eine Reise in die Südsee gemacht. Nach Vanuatu, einem kleinen Inselstaat westlich von Australien. Das Erlebnis einer völlig anderen Kultur, noch dazu am anderen Ende der Welt, hat uns viel gegeben.

Und schließlich gibt es da noch den Sonntag Vormittag. Da besuchen wir meist eine Kirchengemeinde. Die Predigt, die Lieder, der soziale Kontakt mit anderen Kindern, das Bufett vorbereiten helfen - das schafft einen geistigen Rahmen.

Meine Frau und ich haben natürlich auch einige Schwächen. Und wir hatten schwierige Zeiten als Familie zu bestehen. So ist unsere zweite Tochter 4 Monate nach ihrer Geburt gestorben. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass die Erlebnisrahmen, die wir unseren Kindern anbieten, in Zukunft ihre positive Wirkung haben werden.

Es gibt glückliche aber auch unglückliche Momente aus unserer Kindheit, die sich sehr stark eingeprägt haben. Bilder, die plötzlich vor unserem geistigen Auge auftauchen. Erlebnisse, auf die wir im späteren Leben bauen können. Fällt Ihnen da spontan etwas aus Ihrem eigenen Leben ein?


Karl Ebinger

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