Die Gefühlswelt der Eltern

Eltern stellen sich oft die Frage: "Was ist das Beste für meine Kinder?" Das herauszufinden ist meist nicht ganz leicht. Manche Eltern sind überzeugt, sie würden genau wissen, was für ihre Kinder gut ist. Doch haben sie auch wirklich nachgefragt bei ihren Kindern? Haben sie mit dem Herzen hingehorcht?

Lassen wir einmal die Kinder selbst zu Wort kommen. "Was braucht ihr für eine gute Entwicklung?", wurden Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren gefragt. "Freiheit und Taschengeld", hieß es da spontan. "Öfters Freunde treffen, Fernsehen, gutes Essen", waren weitere Wortmeldungen. "Anerkennung, Humor, viel Liebe von den Eltern," wurde tiefer geschürft. Ein Junge meinte: "Die Eltern sollen nicht schreien. Das macht mir Angst."

Für mich war es erstaunlich zu sehen, wie viel Weisheit schon in den Kindern steckt. Wenn Eltern das Beste für ihre Kinder wollen und in den Kindern schon viel Weisheit angelegt ist, warum ist es trotzdem schwierig, im Familienalltag gut miteinander auszukommen? Eine zentrale Rolle dabei spielen die Gefühle. Wie gehen die Eltern mit den Gefühlen ihrer Kinder um?

Die Antwort auf diese Frage hat sehr viel damit zu tun, wie die Eltern mit ihren eigenen Gefühlen zurechtkommen. Sind sich die Eltern ihrer eigenen Gefühle bewusst? Können Sie bei sich selbst unterscheiden, ob sie traurig sind, wütend oder freudig gestimmt? Spielt Angst eine Rolle? Sind die Gefühle bei den Eltern verdrängt oder gehen sie bewusst damit um?

Die wertvollste Anregung, die Kinder ihren Eltern geben können, ist das Bewusstmachen der eigenen Gefühle. Wenn ein Vater oder eine Mutter z.B. beim täglichen "Kampf ums Aufstehen" oder bei den kreativen Essensgewohnheiten der Kinder" sehr emotionell reagieren, ist genaue Selbstbeobachtung gefragt. Sehr anstrengend für die Eltern ist, wenn die Kinder streiten (Geschwisterrivalität). Habe ich hundert Gründe, warum meine Kinder nicht streiten sollen und steigere ich mich immer mehr hinein? Oder begreife ich den Gefühlsausbruch als Chance, um innezuhalten: "Warum reagiere ich eigentlich so heftig?"

Es gibt Väter und Mütter, die sich beim Hinhorchen nach innen, plötzlich an ihre eigene Kindheit erinnert fühlen. Wie haben ihre Eltern in einer solchen Situation reagiert? Welche Gefühlsmuster haben sie selbst schon mit der Muttermilch mitbekommen?

Solche Erkenntnis gibt uns die Kraft, in neuer Weise auf unsere Kinder zuzugehen. Das Beste, was Eltern ihren Kindern geben können, ist ein neuer, kultivierterer Umgang mit den Gefühlen. Die Kinder danken uns jede Verbesserung in diesem Bereich mit mehr Offenheit und Freude.

Karl Ebinger
Seminartrainer des SHIMJUNG Institutes
zur Förderung sozialer Kompetenz

P.S. Anbei finden Sie eine meditative Übung zum Thema: Was braucht mein Kind, damit es sich gut entwickeln kann?