Leser Reaktion zu
Burnout Syndrom bei Lehrern
Ich bin von Beruf Sozialpädagogin und als solche Mitglied eines Teams, welches mit Klienten im direkten Kontakt arbeitet. Ich war während meines Lehramtsstudiums 3 Jahre Lehrerin an einer Handelsschule, habe eine Ausbildung zur Supervisorin, betreue also "solche Leute, wie mich". Durch meine Tätigkeit bin ich immer wieder mit Menschen konfrontiert, die sich ihren persönlichen Grenzen nähern oder sie sogar erreichen und Konsequenzen ziehen (z.B. Jobwechsel) oder zu Konsequenzen gezwungen werden (Flucht, z.B. in Krankheit)
Vor 3 Jahren aber hatte ich mein eigenes Burnout - Erlebnis. Im Absatz "Bedingungen" des Artikels, auf den ich mich beziehe, fand ich drei Punkte, die ich wiedererkannte: 1) Schwierigstes Klientel, 2) große Schwierigkeiten im Team, 3) praktisch keine Umstiegs- oder Aufstiegsmöglichkeiten.
Zu 1) Das Verhalten unserer Schützlinge reichte aufgrund traumatischer Kindheitserlebnisse von leichten Störungen und Schulproblemen über Borderline-Syndrome, psychosomatische Symptome, Aggressivität bis hin zu psychotischem Verhalten.
Zu 2) Im Team arbeiteten sehr widersprüchliche Persönlichkeiten, die einander aufgrund der schwierigen Arbeit auch noch argwöhnisch auf die Finger schauten. Dazu kam die Last eines ungeschickten Einstiegs und private Probleme, die sich auf meinen psychischen Zustand negativ auswirkten. Was sich auch in der Arbeit niederschlug. Das wiederum sorgte für noch mehr Spannungen zu Hause.
Zu 3) Die verschiedenen Angebote für Sozialpädagogen ähneln einander so sehr, dass viele es vorziehen, auf einem schwierigen Arbeitsplatz zu bleiben, den man wenigstens schon gewohnt ist - oder man muss mit zwei Drittel des bisherigen Gehalts auskommen und noch dazu für mich ungewohnte Arbeitszeiten in Kauf nehmen. Aufstiegsmöglichkeiten sind sehr rar und für mich unattraktiv.
Von den sieben Stufen des Burnout-Syndroms erkannte ich Stufe 1 und 2 in einem verblüffenden Ausmaß wieder. Dazu ein Beispiel. Bevor ich meinen ersehnten Urlaub antrat und mir Durchhalteparolen halfen, noch ein paar Tage zu meistern, bekam ich Halsweh und hohes Fieber. Der Arzt vermutete Mononukleose. Alle Symptome sprachen dafür. Bei der Laboranalyse fand man jedoch keinen einzigen Virus! Nach dem Urlaub, als ich erholt sein sollte, brachte ich eines Morgens die Augen nicht auf, weil sie extrem schmerzten. Aber ich hatte keine Augenkrankheit. Offenbar wollte ich einfach nichts mehr sehen.
Schließlich überlegte ich, den Beruf aufzugeben, natürlich in Begleitung massiver Gefühle von Versagen, Verzweiflung, Depression und Zweifel an meiner Eignung und an meinen Fähigkeiten. Meine Chefin half mir dann, eine Lösung zu finden. Ich blieb im gleichen Beruf, wechselte nur den Arbeitsplatz und fühle mich nun so wohl, dass ich nicht im Entferntesten auf die Idee käme, daran etwas zu ändern.
Wenn ich nun auf meine 26jährige Berufslaufbahn zurückblicke, sehe ich als einen der wichtigsten Faktoren zum beruflichen Wohlfühlen ein Team, in dem ich gut integriert und akzeptiert bin. Dieses Ziel erreichte ich unter anderem durch Supervision und Coaching.
Insgesamt haben mir drei Dinge geholfen: ein Familientraining nach Thomas Gordon, Supervision und Coaching und das Erlernen von mehr sozialer Kompetenz.