Achten und wertschätzen
In unserer Welt der zerstrittenen und zerbrochenen Familien, der missbrauchten Kinder, der durch Suchtgiftmissbrauch geschädigten Eltern, die ihren Kindern allen erdenklichen psychischen und physischen Schaden zufügen, und auf der anderen Seite der Kinder, die ihre Eltern schlagen, ausnützen, ihnen befehlen, fragt man sich: "Wo bleibt die Achtung der Menschen voreinander? ...der Menschen, die sich ja am allernächsten stehen?"
Ich denke, wir können in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen öfter versteckte Ansätze von Missachtung, Gleichgültigkeit und Missbrauch finden, als uns lieb ist. Auch schaukeln sich Verhaltensmuster gegeneinander auf und Aggressionen sammeln sich im Laufe der Zeit. All das belastet unsere Beziehungen.
Wir wollen, dass sich unsere Kinder gut und ohne gröbere Einschnitte entwickeln können, aber was ist uns Eltern die gesunde Entwicklung unserer Kinder überhaupt wert? Wieviel an Einsatz sind wir bereit zu investieren? Sind Eltern berechtigt, ihre Kinder als Eigentum zu betrachten?
Wir haben eine wertvolle Quelle für allgemeingültige Maßstäbe für das Zusammenleben von Menschen: das ist die Bibel, Gottes Wort. Gott schuf uns Menschen. Er weiß daher, was für uns am besten ist und gab uns deshalb sein Wort als Hilfe zum Leben in dieser Welt. Paulus erklärt manches dieser Worte für unseren Gebrauch:
"Ihr Eltern, reizt eure Kinder nicht zum Zorn,..." - oder, nach anderer Übersetzung: "...behandelt eure Kinder nicht ungerecht, sonst fordert ihr sie zum Widerspruch heraus - eure Erziehung muss vielmehr von der Liebe zu Christus bestimmt sein!" (Epheser 6,4)
Christus möge uns ein Vorbild sein in bezug auf Liebe, Hingabe, Einfühlsamkeit und Geduld, aber auch darin, wie er manchen Menschen Maßstäbe und Grenzen gezeigt hat.
Die Achtung der Eltern gegenüber ihren Kindern hat zuerst einmal ganz "praktische" Facetten. Spätestens, wenn sie Teenager sind, wollen Kinder nachdrücklich, dass die Eltern echt sind zu ihnen, dass ihre Intimsphäre respektiert wird (z.B. Badezimmer, Tagebuch, Telefonate,...), dass ihre kulinarischen und anderen Vorlieben oder Abneigungen respektiert werden, dass man sie ausreden lässt, dass sie Freunde frei wählen dürfen, sich nach ihrem Geschmack kleiden und frisieren dürfen, ihre Zeit einteilen dürfen,...
Wie ist es uns ergangen vor ...zig Jahren? Was hat uns am meisten auf die diversen "Palmen" gebracht, uns zum Widerspruch gegen die Eltern herausgefordert? Am meisten doch, dass uns unsere Eltern nicht ernst genommen, uns Vorschriften gemacht, uns kontrolliert, missbraucht oder belogen haben.
Unsere eher "theoretische" Wertschätzung spielt sich dort ab, wo wir unseren Kindern dienen, indem sie Entscheidungshilfen für schwierige Situationen, Kriterien zur Beurteilung von Menschen und Umständen oder hilfreiche Lebensregeln von uns mitbekommen. Sollte ihnen ein Missgeschick passiert sein, könnten sie unseren Rat schätzen für den Umgang mit den Konsequenzen. Außerdem sollten uns unsere Kinder wichtig genug sein, dass wir ihnen Grenzen und Regeln bewusst machen und ihnen dadurch leben helfen.
Das alles mag diffizile oder sensible Gespräche, sowie Geduld und Einfühlsamkeit unsererseits erfordern, diese sind aber für Jugendliche soviel wie ein wertvoller Schatz, welcher mit Sicherheit prägender ist als so manche äußeren Einflüsse. Unsere Achtung ihnen gegenüber wird dadurch erst lebendig - Gleichgültigkeit ist verbannt, hat keinen Raum.
Kinder sind kein Eigentum, über das wir nach Belieben verfügen können. Sie sind uns anvertraut zur Erziehung, zur Förderung ihrer Talente, zum Säen so manchen guten Samens in ihren "Acker des Herzens", anvertraut aber auch dazu, ihnen Grenzen zu setzen, ihnen den Umgang mit Fehlern zu lehren, ihnen Lebensperspektiven zu geben und ein Ziel zu zeigen. Ob sie unsere Angebote annehmen, steht trotz allem in ihrem Ermessen, soll auch ganz ihnen überlassen bleiben.
All das sind Bereiche, die von unserer Wertschätzung gegenüber unseren Kindern bestimmt werden. Um sie als Persönlichkeiten auch in richtigem Maß wert zu schätzen, brauchen wir selbst aber ein Eingebettet-Sein, ein Abhängig-Sein von Höherem - jemanden, der uns selbst für wichtig nimmt. Unsere Kinder merken und schätzen das. Achtung und Dankbarkeit uns gegenüber werden logische Folgen sein.
Helga Hochmeister
Mutter von 3 Kindern - 19, 17, 12 Jahre