Magnolia Filmmusik
Songs by Aimee Mann
Jeder der "Pulp Fiction" gesehen hat, wird folgende Szene nie wieder vergessen. Uma Thurman drückt die "Play"-Taste ihres riesigen Tonbandgerätes und beginnt zu "Girl you will be a woman soon" von Urge Overkill zu tanzen.
Quentin Tarantino hat mit Pulp Fiction nicht nur das Kino der 90er neu definiert, sondern auch eine Synergie von Film und Musik geschaffen. Das Ergebnis ist größer als die Summe beider Teile. Wer kennt heute noch Urge Overkill.
Aber wenn wir das Lied hören laufen die Bilder in unserem Kopf. Ein leider allzu seltener Fall, denn Filmmusik steht selten im eigenen Recht. Entweder darf sich der Komponist demütigst dem Film unterordnen und die Musik wird nur am Rande wahrgenommen. Oder, die Plattenfirma beschließt den Soundtrack mit Songs gerade angesagter "Künstler?" aufzufüllen. Das Ganze nennt sich dann: "Music from and inspired by the motion picture" und hat meist wenig bis nichts mit dem Film zu - klingt aber nett und verkauft sich besser als die Instrumentaluntermalung.
Trotzdem kleine Wunder geschehen immer wieder, sehen wir mal um die Ecke zum Italiener.
John und Claudia treffen sich zum ersten Rendezvous. Beide sind nervös und versuchen alles richtig zu machen. Die gegenseitige Sympathie läßt die Hoffnung keimen, dass sich hier zwei einsame Seelen finden könnten. Ganz unvermutet eröffnet Claudia ihrem gegenüber die Absicht, ihn nicht wiedersehen zu wollen. "Now that I`ve met you - Would you object to - Never seeing each other again".
Die Angst vor der Beziehung ist größer als das Glück im Moment. Diese grandiose Szene entstammt dem aktuellen Kinofilm "Magnolia". Der oben zitierte Satz hat jedoch seinen Ursprung in einem Lied von Aimee Mann und kommt auch so im Film vor.
1997 hörte Regisseur Paul Anderson zum ersten Mal "Deathly". Tief bewegt vom Text des Liedes begann er, ein Drehbuch zu schreiben und entwickelte eine Geschichte um besagte Claudia. Mit dem fertigen Film unterm Arm bat Anderson Aimee Man, die Musik beizusteuern und sie schuf wahrlich Großes.
Magnolia erzählt die Geschichte von 9 unterschiedlichen Menschen in Los Angeles. Die Schicksale aller Beteiligten sind unterschiedlich und doch miteinander verflochten. Alle sind unbewußt auf der Suche nach der verlorenen Liebe und Aimee Mann begleitet mit ihren Liedern diese Menschen - die wir sein könnten. Die Musik ist jedoch nicht nur in die Handlung eingebettet sondern trägt bisweilen die Geschichte.
In einer der schönsten Szenen des Films beginnen alle 9 Hauptdarsteller unabhängig voneinander den Refrain von "Wise up" zu singen. "It`s not going to stop" - spätestens jetzt sind alle Dämme gebrochen. Der Film lebt in der Musik und umgekehrt. Die Lieder von Aimee Mann sind von einer so zerbrechlichen Schönheit, dass sie federleicht die Gefühle der Darsteller zu uns tragen. Zutiefst bewegende Musik für einen großen Film.
Selbst die unsäglichen 70er Jahre-Schwätzer "Supertramp" werden rehabilitiert. Zwei ihrer Songs sind exzellent in den Film eingeflochten und werden dadurch mit neuen Leben erfüllt. Man ist sogar geneigt, das peinliche Stigma abzustreifen, Supertramp einmal gemocht zu haben. Zumindest wird man nach der Barszene mit William H. Macy "Goodbye stranger" nie wieder so hören können wie bisher.
Jeder der den Soundtrack zu "Magnolia" bei sich zu Hause abspielt, wird den Film aufs Neue erleben ein weiteres Mal, weinend und lachend mit den Darstellern mitfiebern. Denn sie alle erzählen ein bißchen etwas von unserer Geschichte.
Was sagte doch Regisseur Anderson sei die zentrale Aussage von "Magnolia"? "Liebt eure Kinder."
Übrigens, "Magnolia" läuft noch im Kino und die Musik dazu gibt's fast überall, zum Beispiel auch gleich HIER BEI AMAZON zu kaufen.