Traffic
von Steven Soderbergh * * * * *

Steven Soderbergh ist ein Genie. Oder können sie einen Regisseur nennen, der in 3 Jahren 4 grandiose Filme drehte. 1998 drehte Soderbergh "Out of Sight". Eine spritzige, intelligente Gaunerkomödie, welche George Clooney als ernstzunehmenden Charakterdarsteller etablierte. 1999 schickte er Terence Stamp in dem packenden und atemberaubend geschnittenen Thriller "The Limey" auf Rachefeldzug. Im Jahr 2000 durfte Julia Roberts, als Anwaltgehilfin für die Rechte der kleinen Leute kämpfen. Roberts erhielt für ihre Rolle in "Erin Brokovich" den Oscar für die beste Hauptrolle. Und jetzt "Traffic". Der beste Drogenthriller seit "French Connection". Und mehr als das. So waren in dem Klassiker von 1973 zumindest die Fronten klar. In "Traffic" gibt es keine Fronten, es gibt auch keine Guten oder Bösen. Es gibt nur Menschen, die mit Drogen zu tun haben. Soderbergh moralisiert nicht, es gibt keinen erhobenen Zeigefinger. Er erzählt nur Geschichten. Und das macht er so atemberaubend, dass man sich immer wieder in einer Dokumentation wähnt.

In 3 Handlungssträngen führt er uns die nackte Realität des Drogenkrieges vor Augen. Zuerst erleben wir einen großartigen Michael Douglas, als obersten US-Bundesrichter im Kampf gegen die Drogen. Dieser ist in seinen Krieg gegen die Kolumbianer und anderer Bösewichte so vertieft, das er die eigentliche Frontlinie - in seiner Familie - fast übersieht. Seine 16jährige Tochter ist bereits der Sucht verfallen.
Die zweite Geschichte zeigt zwei mexikanischer Drogenpolizisten, die in den Machtkampf zweier Kartelle schlittern und zwischen Korruption und Pflicht zerrieben werden. Benicio del Torro wird für seine Leistung als zerrissener Cop noch lange in unseren Herzen nachbrennen.

Auch Mrs. Douglas - Catherina Zeta Jones überrascht in einer starken Rolle. Sie verkörpert die Frau eines Drogenbosses welche das feine Leben einer Neureichen mit Wohltätigkeitspartys und aller Extras genießt, ohne zu wissen welchen Geschäften ihr Mann eigentlich nachgeht. Hochschwanger und mit einem Schulkind im Arm, erfährt sie nach der Verhaftung ihres Gatten und der Sperrung aller Konten und Kreditkarten, den wahren Grund ihres bisherigen Luxus. Jetzt gilt es Entscheidungen zu treffen.
Überdies gibt es ein Dutzend blendend besetzter Nebenrollen, die mehr als die Würze zu dem Film beitragen. Am US-Plakat prangern nicht weniger als sieben Hauptdarsteller. Was nicht übertrieben ist.

Soderbergh verdichtete die Atmosphäre zusätzlich. Er drehte die unterschiedlichen Handlungsstränge mit verschiedenen Linsen. So flimmern die Schauplätze in Mexiko in einem grellen flirrenden Gelb, während Los- Angels sorglos farbenfroh bunt und Washington bürokratisch grau gezeichnet wurde. Die Szenen in Mexiko sind in der Originalsprache und wurden mit Untertiteln versehen. Mexikaner sprechen eben mexikanisch.
Hoffen wir nur, dass unsere Freunde von der Synchronisation diesen dramaturgischen Effekt nicht durch plumpes Eindeutschten zerstören.

Aber selbst dann, der Film ist zu groß und zu nahe an der Realität. Er wird Ihnen nahe gehen. Neben Tiger und Dragon der zweite ganz große Film in diesem noch jungen Jahr. Stephen Soderbergh ist ein Genie - ganz sicher.


Das Glücksprinzip von Mimi Leder ab 5.April * * * *

Stellen sie sich vor, sie bemühen sich 3 Menschen zu helfen und diese geben diese Hilfe weiter - jeder wieder an drei andere. Wird dann die Welt besser? Mimi Leders Film basierend auf dem gleichnamigen Bestseller sagt, dass es möglich ist.

Kevin Spacey spielt einen traurigen Lehrer, der seiner Klasse eine - scheinbar - simple Aufgabe gibt. "Ändert etwas in eurem Leben, was Euch wirklich wichtig ist". Ein Schüler nimmt die Sache ernst und versucht das eingangs beschriebene Prinzip umzusetzen und löst dadurch einiges aus. So naiv das Ganze klingt. Die Geschichte wird von Regisseurin Mimi Leder glaubwürdig und mit Herz und Hirn erzählt. Anschauen und glücklich werden - oder Sie fangen gleich damit an - anderen zu helfen.

15 Minuten Ruhm von John Herzfeld ab 13.4. * * *

"Jeder Mensch wird für 15 Minuten Ruhm erreichen", das prophezeite der Künstler Andy Warhol 1986. Ein Blick zwischen Container und orange Taxis gibt diesem Mann recht.

Im vorliegenden Film wählen zwei durchgeknallte Serienkiller auch einen Weg für ihre 15 Minuten. Sie filmen ihre Morde und verkaufen Sie an zynisch agierende Medien. Leider schafft es Regisseur Herzfeld nicht, das ungeheure gesellschaftskritische Potiental seiner Geschichte zu nutzen. Statt dessen gibt es eine Räuberpistole zwischen routiniert inszenierten Actionszenen und Serienmörder-Hick Hack. Schade, wieder eine Idee verschenkt und zwei Schauspieler verheizt. Robert de Niro und Edward Burns machen zwar aus ihren eindimensionalen Polizistenrollen das Beste, aber wahrscheinlich hatten sie auch das Gefühl, dass hier mehr drinnen gewesen wäre.

Prinzessin Mononoke (Animation) von Hayao Myazaki ab 20.4. * * * * 1/2

"Manga", ein Kurzbegriff für japanische Comic-Kunst. Wer hier "Pokemon" ruft, sollte betreten schweigen. Aus Österreich kommt auch nicht nur der "Musikantenstadl".

Viele große Filme kamen schon aus den japanischen Mangastudios. "Ghost in the shell" und "Akira" um nur zwei zu nennen. "Prinzessin Mononoke" spielte vor 4 Jahren in Japan mehr Geld ein als "Titanic" und kommt endlich in unsere Kinos. Die Geschichte zusammengestoppelt aus Mythen und Märchen (niemand klaut besser und schlauer als die Japaner) hat letztlich eine sehr schöne und tiefe Aussage. Es geht im Kern um den Menschen und seinen Umgang mit der Umwelt. Erzählt wird vielschichtig mit Poesie, Witz, Dramatik, Action und Magie. Irgendwie haben sie`s drauf - Die Japaner. Anschauen und träumen.
Empfohlen ab 12 Jahren

Aktuell: Traffic hat 4 Oscars erhalten. Unter anderen für die beste Nebenrolle - Benicio del Toro und das beste Drehbuch und die beste Regie (Steven Soderbergh)
Die Traffic Homepage www.traffic-movie.com
Andi Bauer